eingebläut

8. Januar 2011

Samstagmorgen. Im Bett. Ich lese auf dem iFon Blogs und Mails. Ist noch zu früh aufzustehen. Nicht an einem Samstagmorgen. Obwohl ich heute viel vorhabe. Putzen endlich mal wieder. Mit Packen und entrümpeln weitermachen. Und abends mit Freundin M. thermalbaden und saunen.

Bloggen könnt ich mal wieder, denke ich. Hm, nö, was sollte ich schon schreiben. Ist ja auch kaum was passiert. Außer dass ich gestern ganz aufschlussreiche Tarotkarten für das neue Jahr gezogen und am Nachmittag einen nährenden Besuch bei meiner lieben Freundin C. und Little.-F. erlebt habe. Und am Abend bei R. ein paar Umzugskarton holen konnte. Kaum was erlebt, dass sich zum teilen lohnt? Kaum was gedacht, dass sich zum teilen lohnt? Ansichtssache, ich weiß …

Vielleicht doch besser, ich zitiere mal wieder die gute Luisa, die gestern in ihrem Webtagebuch eine Radiosendung über das leide Thema Gewohnheiten resümierte.

„virginia woolf und sigmund freud zum beispiel, oder stephen king, teil(t)en sich die zeit akribisch ein, in der sie arbeiten „mussten“. ich halte es mit den bewohnerInnen eines dorfs in mali. es gab dort einen webstuhl, der auf dem dorfplatz stand, wer lust hatte, webte. doch gab es keine arbeitspflicht. leistung und ehrgeiz waren in diesem dorf, das ich besuchte (und ich hoffe es ist noch so) keine sozialen werte. freude an der arbeit schon. und kunstvolles weben auch. dieses dorf stellte sehr beliebte gewebe her, die auch immer irgendwie fertig werden. so arbeite ich.“

(Quelle: Zitat Luisa Francia, luisa in münchen – 07.01.2011 um 09:30:13)

(Notiz an mich: Vielleicht sollte ich mal nach Mali gehen … oder zumindest die mir gesellschaftlich eingebläuten sozialen Werte überdenken?)

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am gleichen Tisch

14. Dezember 2010

Frau Machbar und Frau Schicksal saßen zusammen am gleichen Tisch. Wie immer am Dienstag. Gar wichtiges hatten sie zu besprechen.

Was mischst du dich aber auch immer in die Angelegenheiten der anderen ein?, fragte Frau Machbar ihre Nachbarin nicht zum ersten Mal, wohlwissend, dass die anderen ihre Frage nicht beantworten würde. Was sag ich da der andern? Die ganze Welt mischst du auf! Wenn ich etwas nicht verstehen kann, dann dich.

Und du erst?, entgegnete Frau Schicksal. Du redest den Menschen ein, dass sie alles selbst in der Hand haben. Dass sie an ihrem Wohl und Weh selbst Schuld oder von mir aus Unschuld haben. Dass sie das Geschick der ganzen Erde lenken können. Selbst Schicksal spielen. So kann das nicht mehr weitergehen.

Es klopft an die Türe. Beide stehen auf und gehen in den Flur. Frau Machbar öffnet die Türe. Draußen steht Frau Serendipität. Sie kichert verlegen.
Verzeiht, ihr beiden, meine Verspätung zu unserem Kaffeekränzchen. Ich hatte zu tun. Ganz unvorhergesehen. Ungeplant, wie immer, ihr wisst schon. Musste ein klein bisschen nachhelfen. Sie grinst. Ach übrigens, habt ihr eigentlich Großmütterchen Vorsehung heute nicht eingeladen? Sie sitzt auf der Bank unten auf dem Hof an der Sonne und klatscht fortwährend in die Hände. Genau so, genau so, flüstert sie mit strahlenden Augen.

Betreten schauen Frau Schicksal und Frau Machbar aus dem Fenster und begreifen, dass sie ihre Kollegin einmal mehr vergessen haben.


dieses Bild

19. Oktober 2010

Am Anfang war die Leere. Nicht Chaos, nein, Leere. Meine Schöpfungsgeschichte fängt mit Leere an. Und mit einem weißen Malbrett.

Bisher malte ich immer in einem Rutsch, allerhöchstens in zweien. Linear malte ich mich von A nach B. Ähnlich wie ich einen Blogartikel schreibe. Ich fange an und lasse mich treiben. Manchmal zielstrebiges, manchmal überraschtwerdenwollendes Treibenlassen. Doch diesmal war alles anders.

Am Anfang war die Leere. Diesmal war da auch ein Ziel. Ein kleines zumindest. Oder vielleicht sogar zwei. Das erste: Wie fühlt es sich wohl an, wenn ich ein Bild im Voraus steuere, es gleichsam komponiere und so eine Mischung aus Plan und Zufall, ähnlich wie beim Schreiben einer Geschichte, anstrebe? Wird sich das eher kreativitätsfördernd oder eher kreativitätshemmend auswirken? Auch handwerkliches Training spielte als Schaffensaspekt eine Rolle. Das war mein zweites Ziel.

Möglicherweise schlummerte da noch ein drittes, irgendwo, denn ein Künstler hatte bei der Malaktion vor dreieinhalb Wochen in Irgendlinks Atelier-Galerie meiner kleinen Malerei ein gewisses Talent attestiert. Ein Talent, das aber noch ziellos wirke. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass ich da mehr draus machen könnte … *ungläubiggehüstelthab* Das dritte Ziel? Ob ich malend nun seine Aussage zu dementieren versuche? Oder zu bestätigen?

Noch nie habe ich so lange, so ausdauernd, so lust- und so hingebungsvoll an einem Bild gemalt habe, wie an diesem. Ursprünglich als simples Übungsbild gedacht, das ich – parallel zu Irgendlinks Übungsbild – in ColArt-Manier in einzelne Felder aufzuteilen gedachte, legte ich die weiße Maltafel auf den Tisch. Nein, ich werde keine Quadrate malen. Mein Leben ist nicht linear, murmelte ich vor mich hin, als ich nach dem Zirkel suchte und mich erinnerte, wie eine Spirale konstruiert wird.

Am Anfang ist der Punkt in der Leere. Der erste Punkt. Zeugung? Geburt? Kreisförmige Linien geben der Leere schon bald eine Struktur. Ein Weg führt von innen nach außen. Mit Linien, die zur Mitte führen, unterbreche ich die große Fläche, die sich, von der spiraligen Linie geführt, aus der Mitte nach außen bewegt. Oder umgekehrt?

Am Anfang die Leere. Bald schon sind da gelb, rot und blau. Dazu schwarz und weiß. Mehr braucht es nicht zum Leben. Das Alphabet jeglichen Malens.

Während ich ein paar erste Flächen, von außen nach innen arbeitend, male, wächst mein Respekt vor Kunstschaffenden. Wie viel Geduld und Knowhow es nur schon braucht, eine Fläche deckend und ohne sichtbare Pinselstriche zu malen! Die einen Farbfelder bedürfen einer zweiten Farbschicht, andere Flächen gelingen mir auf Anhieb. Eine meditative Stille macht sich in mir breit. Ich lasse mir Zeit. Ich werde ruhig und arbeite gemächlich vor mich hin. Abend für Abend. Seit Wochen schon. Immer wieder muss ich unterbrechen um all die anderen offenbar wichtigeren Dinge des Lebens zu tun. Arbeiten und so. Doch im Grunde ist das Bild zurzeit mein roter Faden.

Stück für Stück, Fläche für Fläche gestalte ich. Male mal hier, mal da, um nach dem Trocknen wieder hier weiterzumalen. Parallelen zu meinem Leben sind nicht zufällig. Auch mein Leben gleicht einem Flickenteppich. Ich reise auf meinem Bild von außen in die Mitte und wieder zurück. Ein Tanz auf der ehemals weißen Fläche. Mein Lebenstanz. Jeder Text, so las ich einst, beinhalte ein Stück Biografie, so verkappt es auch ist. Gilt auch für Bilder, stelle ich fest.

Ich male Sujets auf die grundierten Flächen. Inspiriert von inneren Eindrücken sowie Karten, Bildern oder Fotos improvisiere ich. Wie male, wie schreibe, wie lebe ich lebendig und dreidimensional?, frage ich mich und tüpfle Schatten um stilisierte Risse. Ohne Schatten bleibt alles in der Schwebe, hängt im Raum, fällt hin, wirkt unruhig, flach und blass. Wie ich da so male, begreife ich, dass ich, was immer ich tue – ob nun malend, fotografierend oder schreibend –, immer nur Illusionen erzeuge. Ich täusche das Auge, die Sinne, die Gedanken … Und ich lasse mich bereitwillig täuschen, denn alles ist Fiktion. Ver-rücktes Auge. Ver-rückte Sinne.

Ob wir uns nun eher nach Harmonie und Gleichgewicht sehnen oder nach Spannung und Provokation, was immer wir betrachten, was immer wir lesen, wir rücken es uns zurecht. Wir sehen, was wir sehen wollen. Beim Malen kneife ich oft die Augen zusammen und betrachte das eben Gemalte mit einem leicht verschwommenen Blick um die Überzeugungskraft der eben erzeugten Illusion zu testen.

Fertig? Wann ist das Bild fertig? Wann ist das Leben fertig? Jetzt, wo ich endlich alle Flächen bemalt habe, nichts Weißes mehr sichtbar ist, dass ich nicht selbst weiß gemalt habe, jetzt könnte ich aufhören. Ein bisschen wie sterben. Oder soll ich die restlichen grundierten Flächen bemalen?

Tipps und Erfahrungen gelten zwar, doch die letzte Entscheidung liegt bei mir.


Dada vielleicht

17. Oktober 2010

Da ist diese Idee, aus jedem Text, aus jeder Geschichte, aus jedem Gedicht, aus allen Worttextilien, die den ich je gesponnen habe, den besten Satz, das schönste Muster herauszuschneiden. Aus alle besten Stücken würde ich ein neues Gewebe schaffen. Wie bei einer Patchwork-Decke würde ich feinsäuberlich alle Teile neu zusammenfügen. Eine Best-of-Story aus lauter besten Sätzen. Recycling. Dada pur und so opulent vermutlich, dass ich davon Bauchweh bekäme … Alternativ das gleiche mit den schwächsten Sätzen, den blassesten Mustern. Bestimmt leichter verdaulich.

Die Idee ist nicht neu. Immer wenn ich meine Notizzettelsammelmappe auf dem Schreibtisch angucke und mir überlege, ob die Zettel darin eher für den Abfall oder für die Nachwelt geeignet sind, taucht sie auf und plädiert hartnäckig für sich selbst. Da sie kein Heu frisst, bleibt sie vorerst, wo sie ist. Wovon sie sich ernährt und wo sie sich, wenn ich sie nicht höre, aufhält, hat sie mir noch nicht verraten. Vielleicht wird sie verhungern, eines Tages, wenn ich sie weiterhin ignoriere? Ideenmörderin ich.

Eins aber weiß ich: Meine Lebensfreude lebt von Farben und von der Lust am Kreieren. Und ehrlich, ohne Farben würde auch ich schnell mal verhungern.

Dennoch schalt ich mich heute Morgen unter der Dusche Zeitverschwenderin. Wie viel Zeit du mit Bloggen, mit Schreiben, mit Gedankenspielen, mit Texten, mit Bildern und mit Malen verbringst!, hielt ich mir vor, als ich anschließend die Zehennägel schnitt. Als ob jemand auf deine Texte und Bilder wartet!

Ach, das verstehst du nicht, antwortete ich. Außerdem schreibe und kreiere ich nicht für jene, die auf meine Dinge warten. Höchstens ein bisschen. Ich brauche den Ausdruck, weil ich sonst platzen würde. Internet ist bloß ein Gefährt. Ein Flugzeug, das ins Konzept meiner Schaffenslust passt.

Flugzeug? Wie meinst du denn das?, fragte ich mich.

Ist doch ganz einfach: Internet ist eine fliegende Galerie, eine mobile Bibliothek, ein Wikipedalo der Lüfte. Du steigst ein und wirst bedient. Bekommst zu essen, zu trinken, kannst Filme schauen, kannst Musik hören und erfährst laufend, wo du bist. Alle sind nett zu dir und du kommst vorwärts ohne dich bewegen zu müssen. Du kannst konsumieren, was andere zuvor kreiert haben. Fliegen ist wie Internet, wie gesagt. Außer dass dich Internet nicht bekocht, sagte ich.

Zeitverschwendung ist es alleweil. Dein Vergleich hinkt, konterte ich. Du wirst im Gegensatz zur Bordcrew nicht für deine Arbeit bezahlt und verlierst sogar wertvolle Lebenszeit.

Du versteht echt gar nichts! Kreatives Schaffen ist eines jener Dinge, die mir am meisten Freude machen. Lebenszeit kann gar nicht besser investiert werden als in jene Dinge, die uns Freude machen, sagte ich. Es geht um Hingabe. Schließlich sagt auch niemand, dass richtig guter 6 Zeitverschwendung sei. So what?


hingeguckt …

23. September 2010

zu 1.) Ja, ich mag Randensalat alias Rote Bete-Salat, wie die Köstlichkeit im Norden heißt. Aus einem orangen Teller gegessen und die Sauce mit Brot aufgetunkt, sieht es nachher so aus.

zu 2.) Und ja, ich mag Süsses … Diesen Schoggi-Blechkuchen nehme ich heute ins Irgendlinksche Offene Atelier mit …
Backofenkunst trifft Fotokunst 🙂

Bin ab heute vier Tage auf dem KünstlerInnen-Berg… Ob ich zum Bloggen kommen werde, wird sich zeigen.


hingucken

22. September 2010

sag mir, was du siehst und ich sag dir, was ich mag …


Feuerabend

13. August 2010

Bin müde. Lang war der Tag. Die Arbeit heute fast endlos. Umso verführerischer das Kissen auf dem Bett und das Buch auf dem Nachttisch. Schreiben? Mag ich nicht mehr. Obwohl da ein paar Ideen durch die Hirnzellen purzeln. Ich lege mich ins Bett, klappe das Buch, das ich zurzeit lese schon bald zu und lösche das Licht.

Bilder tauchen auf, Szenen, Dialoge … und schon verblassen sie wieder. Ich koche den vergangenen Tag ein und lege ihn zur Seite.

Plötzlich zucke ich zusammen, erwache. Da ist wilde Musik, mitten in meinem Schlafzimmer. Mein Bett brennt. Ich reibe mir die Augen. Die Buchstaben aus meinem Roman tanzen ums Feuer und feiern mit den Seitenzahlen Vollmond. G spielt Geige und X Saxophon, während T den Takt angibt und Q querflötet. A tanzt mit der 9. Sie geben sich Mühe, sich aufeinander einzulassen. Gelingen will es allerdings nicht wirklich. Ob es an der Chemie, an Farbe und Form, liegt? A winkt der 9 zum Abschied zu und tänzelt zur 8.

Bald zieht dieses Paar alle Augen auf sich. Hier stimmt einfach alles. Auch F und die 1 scheinen sich zu mögen. Beide schimmern gelblich, F grüngelb, die 1 eher weissgelb. Ähnliches zieht ähnliches an? Gleich neben ihnen tanzen B und die 5. Auch sie geben ein harmonisches, ocker-orangefarbiges Paar ab. Die 9 ist in sich gegangen und tanzt allein, offenbar um sich auf die Musik einlassen zu können. Doch nun wagt sie sich in die Nähe von M. Schüchtern fordert sie diese zum Tanz auf. Auch M ist scheu, ihr gemeinsamer Tanz harmonisch, fragil.

Ich muss mitten während des Festes eingeschlafen sein. Am Morgen ist alles wieder ruhig. Das Feuer ist erlöscht. Alle liegen, aneinander gekuschelt, zwischen den Buchseiten. Sie schlafen den Rausch aus, während ich leise, um sie nicht aufzuwecken, aufstehe und zur Arbeit gehe.

(Quelle: Textarchiv von Sofasophia)