Listen

11. März 2011

Listenreich sei der
Mensch. Heißt es. Hinterlistig liegen sie auf der
Lauer. Lungern herum. Be-
decken Küchen- und
Schreibtisch. Listen, die mich daran erinnern, was
zu tun ist. Listen, die mir sagen, was ich einzu-
kaufen muss. Listen, die mich informieren, welche
Menschen anzurufen, zu treffen, über dies und jenes zu
informieren sind. Listen überall. Den
einen wird gegeben. Den anderen wird
genommen. Kurz und gut sind sie mir
am liebsten.


für immer und ewig

20. Februar 2011

Kopfweh. Tablette einwerfen. Weg damit.
Zapp.
Das Bild vom Kind mit dem vom Hunger aufgeblähten Ba…
Zapp.
Die Rede vom al …
Zapp.
Ewige Vorläufigkeit …
Zapp.
Keine Zeit für di…
Zapp.
Vorläufige Ewigkeit …
Zapp.
Nacht für Nacht für Nacht


manchmal … II

26. Januar 2011

das leben ist
manchmal zum grübeln und manchmal zum stöhnen (seufzen?)
manchmal zum weinen (vor freude? vor trauer?) und manchmal zum schreien (vor schmerz? vor lust?)
manchmal zum flüstern und manchmal zum schreien (vor freude? vor übermut? vor entrüstung?)
manchmal zum schimpfen (zetern?) und manchmal zum (wie übersetze ich bloß gögge ins hochdeutsche? erbrechen? brechreiz haben?)
manchmal zum dran rum fingern und manchmal zum angestrengt arbeiten (gibt’s dafür keine passenderen verben?)
manchmal zum rülpsen und manchmal zum – na, was wohl? – furzen natürlich …
manchmal zum hungern und manchmal zum kotzen
manchmal zum kichern und manchmal zum jauchzen
manchmal zum spinnen und manchmal zum seufzen
manchmal zum tanzen und manchmal zum stolpern
manchmal zum fliegen und manchmal zum kriechen
manchmal zum schmusen und manchmal um genau dort ein klein bisschen weiter zu machen
und manchmal zum stehenbleiben
und manchmal um einige schritte rückwärts zu gehen
und manchmal, ja manchmal, würde ich am liebsten von vorne anfangen

Wie versprochen der Versuch den gestern gebloggten Text ins Deutsche zu übersetzen. Ich habe dabei die Satzstellung aus dem schweizerdeutschen Text beibehalten … Da ich als Eingewanderte nicht wirklich perfekt berndeutsch spreche, wage ich nicht den Text als berndeutsch zu bezeichnen.

Einmal mehr begreifen ich, dass sich eine Sprache nicht eins zu eins übersetzen lässt. Die kraftvollen Schweizer Ausdrücke verlieren unterwegs ihre Melodie. Wörter transportieren eben mehr als nur einen Begriff, sie transportieren Emotion. Außerdem ist der berndeutsche Dialekt unendlich reich an vielschichtigen Wörtern, die, je nach Anwendung, mal so mal so verwendet werden. Nur schon für schreien (ob aus Lust oder aus Frust) gibt es unzählige Varianten. Als ob in Bern besonders viel geschrien würde … und ob ich wohl darum so gerne hier lebe? 🙂

Übrigens: Ein Online-Wörterbuch für Interessierte gibt’s hier (klicken).


manchmal …

25. Januar 2011

s’läbe-n-isch
mängisch zum chnüble u mängisch zum byschte
mängisch zum gränne u mängisch zum bbäägge
mängisch zum köschele u mängisch zum mögge
mängisch zum chiffle u mängisch zum gögge
mängisch zum chafle u mängisch zum chnorze
mängisch zum gorbse u mängisch zum furze
mängisch zum hungere u mängisch zum chotze
mängisch zum giggele u mängisch zum juuchze
mängisch zum schpinne u mängisch zum süüfzge
mängisch zum tanze u mängisch zum schtoggle
mängisch zum flüüge u mängisch zum schnoogge
mängisch zum schmuuse u mängisch zum gnau dert
grad echli wiiterzmache
u mängisch zum bliiebe schtoh
u mängisch zum es paar schritt hinderzi go
u mängisch, ja, mängisch, würdi am liebschte vo vore aafoh …

Übersetzung folgt demnächst in diesem Theater 🙂


Intermezzo II

21. Januar 2011

Genießen, was ist. Einfach so. Das kleine
Holzscheit, das das Feuer
nährt. Das sündhaft
teure Teppichstück vom Sperr-
müll, das dem eisigkalten
Fußboden in der Werkstatt
die kalte Spitze bricht. Das
schöne Bild an der
Wand, das die Augen weiden lässt und
die neuen Socken (auch
wenn sie ein bisschen zu groß sind), die
die kalten Füße wärmen. Dankbarkeit ist
der kleine Stein, der am Boden liegt und
sagt: Heb mich auf, und dir erst in
deiner Hand seine wahre
Gestalt offenbart. Und die
Orchidee, die nicht duften kann. Es
genügt ihr,
schön zu sein.

 

Für J.


Wirk

18. Januar 2011

Grad Glücksrad vom Zettel gelesen statt
Glück grad, das ich am
Morgen sah. Roch. Fühlte.
Ahnte. Zwischen den Sätzen,
Zeilen, Wörtern. Die Stelle, wo es
still und weiß ist. Warum weiß ich
allerdings nicht. Das Weiß ebenso
wenig wie das Glück und am
allerwenigsten wie alles miteinander
wirkt. Aufeinander, in-
einander, zueinander, nach-
einander, gegeneinander.
Wirkt. Alles. Ursache
heißt nur der erste Dominostein. Alle
anderen Wirkung. Alle. Das Glücks-
rad zuerst. Auf dem Zettel.


tiefgekühlt

29. Dezember 2010

Mein Herz wie schockgefroren. Diese
Zeit zwischen den Jahren ist
mir diesmal, als sei ich zwischen die Zeilen
gefallen. Ohne Netz. Freier Fall irgend-
wie. Ohne Strom. Ausgefallen.
Eingefroren. Die Anspannung und
Anstrengung der letzten Monate ver-
dichtet sich in Nichts. Fällt wie ein
Schneeball, an die Wand geworfen,
auseinander. Zurück
bleibt ein Klecks Brackwasser.
Ich. Oder nicht. Um erneut im
Wasserkreislauf mit zu fließen. Ein-
mal mehr.