Locarno mi piace

13. November 2010

Wer hätte das gedacht? Manchmal darf man – und frau – einfach nicht zu früh aufstehen, denn wären wir um acht aufgestanden, hätten wir womöglich über den Schonwiederregen gemurrt. Um zehn, als wir langsam ans Aufstehen zu denken anfingen, hatten sich die Regenwolken bereits verzogen und machten der Sonne Platz. Jippie!

Später, vor den Wanderwegtafeln in Aquarossa stehend, beschlossen wir, nach Dongio weiterzufahren und uns von dort aus in einen der historischen Wanderwege einzuspeisen.

Doch kaum im Auto fing es wieder ein wenig zu regnen an. Hm. Regenwanderung? Den mindestens zehn Kilometer langen Rundweg in nassen Klamotten machen?

Wir könnten doch an den Lago Maggiore fahren …, sagt Irgendlink.
Wieso nicht! Ich war schon seit Jahren nicht mehr in Locarno, sage ich.

Über die Landstraßen durch die Magadinoebene erreichen wir schon bald unser Ziel. Von Regenwolken keine Spur mehr. Im Gegenteil. Richtig tolles, sonniges Herbstwetter. Wir promenieren am See entlang, finden zwei Geocaches und sammeln – die Kamera und das Eiföun stets in bester Tourimanier griffbereit – haufenweise skurrile, schräge und schöne Bilder.

Jetzt können die Ferien eigentlich so richtig anfangen, sage ich nach „der Friseuse“ von Doris Dörrie. Eigentlich. Denn eigentlich müssen wir ja morgen bereits wieder nordwärts fahren. Tja, wie sagte sie gleich, Katy, die Friseuse und Antiheldin dieses tollen Filmes? Mach aus allem das Beste und lass den Kopp nich hängen!

Bild: Panorama – am Lago Maggiore
(mit dem iPhone und der HDR-Plus-App fotografiert, mit AutoStich zum Pano montiert und mit PS Express bearbeitet und gerahmt)


Quattro Stagioni

11. November 2010

Was für eine schöne Tour! Wir hatten heute alle vier Jahreszeiten …, sagte Irgendlink, nachdem wir müde und glücklich unsere Einkäufe in den Wagen gestellt und Platz genommen hatten.

Wie wahr. Noch immer kalt?, fragte ich. Er schüttelte den Kopf und setzte den Motor in Gang, um uns nach „Hause“ zu chauffieren.

In der Tat hatte der Tag beinahe frühlingshaft begonnen, so dass ich gar unter der Dusche Mornin‘ has broken trällerte, froh auch darüber, keine Schmerzen mehr zu haben. Wir beschlossen, den einen Cache, den wir auf der Karte gesehen hatten, zu holen und danach zum Lago di Luzzone zu fahren und zu wandern.

Sommerlicher Schweiß rann uns über Stirn und Rücken, als wir zur kleinen Siedlung Chislerio hochstiegen. Zwar war der Wanderweg, den ich entdeckt hatte, nicht markiert, aber er führte uns geradewegs zum Cache. Für den Rückweg nahmen wir dann das Sträßchen. Buntes, knisterndes Herbstlaub unter den Füßen, da und dort Kastanien, die wie einsammelten, dazu atemberaubende Weitsicht.

Über Olivone fuhren wir durch Campo Blenio Richtung Stausee. Und Richtung Winter, der vierten Jahreszeit des Tages. Ein Stück wollten wir fahren, den Rest wandern, doch der Schnee verunmöglichte uns ein Hochfahren, sodass wir den ganzen Weg zu Fuß gingen. Über Serpentinen stiegen wir aufwärts und nach einer Stunde sahen wir sie endlich, die Staumauer vom Lago di Luzzone. Doch bald verbot uns eine Tafel das Höherwandern: Lawinengefahr!

Die Schulklasse, die wir unterwegs angetroffen hatten und deren bloßes Anwesendsein uns zum Weiterwandern motiviert hatte, kletterte eben auf einem zugeschneiten Wanderweg weiter bergwärts, der, anders als die rudimentär schneegeräumte Straße, die wir alle bisher hochgewandert waren, dicht beschneit war.

Sollen wir auch? Ich gestehe, dass uns die Vorstellung mit klitschnassen Socken und klammen Füßen erst hoch und dann alles wieder runter zu wandern, nicht wirklich behagte. So wanderten wir talabwärts, froh in Castro unter der Schneegrenze zu hausen.

Nun am Cheminéefeuer sitzend die Bilder des Tages betrachten. Hach, wohlig seufz …


Über die Wehmut und duftendes Herbstlaub

10. November 2010

Heute der Versuch, Laptop und iPhone zu vereinen.

Da ich keine Lust hatte, einen langen Text in die Minitastatur zu klicken und ich eh mit Irgendlink immer wieder über die (Un)Möglichkeiten der Apfeltelefone diskutiere, folgt hier ein weiterer „iDogma im Text“-Versuch.

Ein Draufklick macht den Text größer.

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EDIT nach dem Urlaub:

Es ist Abend. Ich habe zwei Tabletten intus. Wieder muss ich Antibiotika nehmen. Die eine Tablette ist von der Kur, die andere soll den Krampfschmerz lindern. Der Arzt in Biasca, zu dem wir heute notfallmäßig gefahren sind, hat eine Blasenentzündung diagnostiziert. Seit drei Tagen hatte ich schon leichte Schmerzen, heute Nacht wurde es so schlimm, dass ich – auch auf J.s Drängen hin, meine Schmerzen ernst zu nehmen – nicht mehr länger warten wollte. Ich wollte wissen, was los ist. Und jetzt ich hoffe einfach mal, dass das Zöix wirkt. Ein klein wenig niedergeschlagen bin ich schon, will ich uns doch mit meinem Kranksein die Ferien nicht versauen.

Ach nö, sagt mein Liebster. Er lässt sich zum Glück – was sein großes Talent ist – nicht aus der Ruhe bringen und lässt sich immer auf den Moment ein. Was für ein Geschenk, dieser wunderbare Mensch doch ist! So, das musste endlich mal gesagt werden.

Dennoch ist da diese kleine, nach feuchtem Herbstlaub duftende Wehmut. Jener Mut zum Weh … Ist es nicht so, dass je größer und je schöner eine Liebe wird, desto größer, kostbarer und voller wird der gemeinsame Erfahrungs- und Erlebnisschatz. Und entsprechend wohl auch die Verlustangst.

Neulich, als ich mal wieder leicht panisch meinen kleinen Apfelcomputer suchte, meinte Irgendlink, dass ein iPhone doch materiell ein relativ kleiner Verlust sei. Umso größer der Verlust all der Daten.

Der Speicher eines Computers in Beziehung zu seinem Menschen als Metapher für das Netz zwischen uns Lebewesen? Warum eigentlich nicht. Einziger Unterschied: Mein iPhone würde mich wohl kaum vermissen, wenn es mich nicht mehr hätte, doch bei uns Menschen gilt , dass je wertvoller mir jemand wird, desto verletzlicher ich ihm gegenüber bin. Und deshalb tut Liebhaben eben auch weh.

Womit wir beim erwähnten Mut zum Weh wären. Ein schönes Weh irgendwie.


Wie schön, es regnet

9. November 2010

Auch bei Regen lässt sich gut sein, wandern, suchen und finden. Die Tessiner Geocaches sind jedenfalls vor uns nicht sicher.

Bild eins: Beim ersten Geocache in Navone, nahe einer monumentalen Kastanie.

Bild zwei: Kapelle ganz in der Nähe

Bild drei: In der Nähe des zweiten Geocache beim Castello di Serravalle


Nach dem Schnee ist vor dem Regen

8. November 2010

Wie soll ich nun bloß weiterbloggen, lieber Irgend?, sage ich beim Spätstück. Hätte ich gestern diesen doofen Cliffhanger doch nur nicht geschrieben!
Dann schreib doch genau das …, sagt J.

Heute Morgen war das, noch vor dem Schnee und noch bevor ich Hakan Nesser – eine ganz andere Geschichte – zu Ende gelesen hatte. Und auch bevor mir J. seine neue Kurzgeschichte vorgelesen hat. Und auch vor dem Schneesturm und dem kuscheligen Nickerchen.

Ich hätte also reichlich Zeit gehabt, mir einen Weg aus der selbstgesponnenen Misere zu überlegen. Erfolglos leider.

Der Schnee ist weg, auch regnen tuts nicht mehr, liebster J. ist noch immer da (wie schön!) und den Cliffhanger lasse ich wohl einfach da hängen, wo er ist. Im Gestern. Dafür hänge ich diesem Nonsense hier ein Bildchen vom vorherigen Spaziergang nach Ponto Valentino an.


Falls ich würde

7. November 2010

Sofasophia: Was ich heute wohl bloggen würde, falls ich bloggen würde …
Irgendlink: Du wirst es nicht lassen können.
Sofasophia: Nö, nur wenn mir was bloggenswertes einfällt.
Irgendlink: Was immer das heißt.
Sofasophia: Dieser Dialog zum Beispiel? *lach* Ich blogge doch einfach dieses Gespräch …
Irgendlink: Wer will schon unseren Nonsense lesen? … müsste da nicht noch was dramatisches vorkommen?
Sofasophia: … wie ein Rasenmäher zum Beispiel?
Irgendlink (grinst schief): Genau.
Sofasophia (zwinkert): Oder wie wärs mit Schneeflocken?
Irgendlink: Och, das ist den Leuten bestimmt zu langweilig. Obwohl … es kommt wohl drauf an, wen du damit ansprechen willst.
Sofasophia: In Saudiarabien ist Schnee sicher spektakulärer als ein Rasenmäher …
Irgendlink: Da hast du wohl recht, aber ich weiß was besseres: ich könnte doch in den Keller gehen, nach dem Holzvorrat gucken und dabei dem Rasenmäher gute Nacht sagen. Du bloggst, dass ich zum letzten Mal gesehen wurde, als ich zum Rasenmäher gehen wollte. Damit hättest du gleich zwei Fliegen auf einen Schlag! Einen Artikel mit Rasenmäher, der – wie ja alle Bloglesenden wissen – jeden Artikel aufwertet und einen Cliffhanger, der deine Lesenden packt. Genau dort hörst du mit schreiben einfach auf.
Sofasophia: Nö, bestimmt nicht so. Du nicht! So ein Ende hast du nicht verdient, mein Liebster! Da schreib ich lieber, dass du vor dem Tatort gucken, nach draußen gegangen seiest um zu schauen, ob es womöglich hier unten auch schneie. Wie heute, oben auf dem Lukmanier, wo wir uns beide fast den Tod geholt haben.
Irgendlink: … bin gleich wieder da …
Sofasophia: Wo wohl diese vermaledeite Fernbedienung steckt?


dass das Leben ein Panorama sei

6. November 2010

Wie Irgendlink und ich heute bergauf steigen, unterwegs alle fünf Meter stehenbleiben, mit Nikons und iFöuns Bild um Bild machen und ob der Schönheit der Natur um uns her kaum Worte finden, erkenne ich einmal mehr das Gehemnis der allem zugrunde liegenden Verbindung. Während ich mit dem Apfeltelefon dank einer entsprechenden, ziemlich cleveren Software names AutoStich drei Bilder zu einer langen Panoramasicht verbinde, sage ich:
Das Leben ist doch ein einziges Panorama. Wir setzen uns laufend aus bestehenden Bildern neue zusammen. Alles, was wir erleben, lässt sich an eine früher gemachte Erfahrung ankoppeln. Und alles bekommt eigentlich nur im Kontext und im Kontrast mit bereits erlebtem eine Bedeutung und kann nur so erst wirklich verstanden werden.

Schließlich steigen wir zur Chiesa San Carlo Negrentino hoch und finden dasselbst einen Geocache, den wir nur finden können, weil wir wissen, wie andere Geocaches versteckt worden sind. Und weil wir Koordinaten lesen können.

Nach einer zehn Kilometer, viele Höhenmeter auf und abwärts und viele Stunden dauernden Wanderung durch Herbstwälder, über Stock und Stein und auf Teerstraßen langen wir abends müde und glücklich wieder im Rustico an. Nicht zuletzt, weil wir über einen guten Orientierungssinn und die Fähigkeit des Kartenlesens verfügen. So haben wir uns heute unser Leben geautosticht. Wir alle.