Collage, Patchwork

2. Oktober 2010

Gestern, im Auto in den Aargau – männlich, der Aargau, männlich, nicht sächlich, dieser Gau an der Aare, wurde ich gestern von Freundin L. belehrt und da ich selbst von dort stamme, aber offenbar schon zu lange in Bern lebe um mich zu erinnern, war meine Nachfrage nur umso peinlicher – item, gestern, im Auto also, hatte ich endlich mal wieder Muße, meinen Gedanken nachzuhängen. Weil ich beim Fahren jedoch nicht schreiben kann, spreche ich mir zuweilen Notizen aufs iFöun. Da kann ich jedenfalls hinterher nicht behaupten, dass ich das Zöix nicht lesen kann. Wie ich heute Morgen also – noch im Bett mit Laptop – meine Sprachmemos von gestern, abschreibe, begreife ich, dass jedes Hirn und jedes Herz eine Collage sind.

Da kleben Erkenntnisse über Leben und Tod gleich neben Notizen über das menschliche Fahrverhalten als Analogie zum Lebensverhalten. Ein anderer Zettel klärt mich über einen Gedanken zum Thema Zeit auf, den ich mir zusammen mit L. gemacht hatte. Eine Herz- und Hirn-Post-It-Zettel-Collage, geklebt an eine gut durchblutete Pinnwand. Patchwork.

Auf pink steht zum Beispiel:
Wie klein mir die alte Heimat vorkommt! Und wie klein und schmal die Straßen und Ortstafeln … Das Wort auf dem Wegweiser zum Wohnort, wo ich aufgewachsen bin – ich fahre nur dran vorbei – fühlt sich wie ein Fremdwort an. Einfach ein Name, den ich mir auf der Zunge zergehen lasse. Ein bisschen Verbindung spüre ich. Und ein bisschen Schmerz. Dazu ein leises Sehnen nach Kindsein vielleicht, nach Sorglosigkeit. Pubertät? Nein, danke! Lassen wir das. Ich schüttle den Kopf und schon ist die Tafel Vergangenheit.

Nichts fühlen geht nicht. – Das steht auf einem blassgelben Zettel.

Und auf einem zweiten blassgelben links unten am Rand frage ich mich, ob sich vom Verhalten der Menschen auf den Straßen Rückschlüsse zu deren Verhalten im Leben oder gar im Bett machen lassen. Und, klein am Rand, steht: Trifft das auf mich zu? Wie fahre ich eigentlich Auto? Und … kaum mehr Platz auf dem Zettel … wie bin ich im Bett?

Auf neongrün steht:
Eigentlich spielt es gar keine Rolle, wo wir sind. Wären da nicht die Erinnerungen. Und wären da nicht die Energien, die an den Erinnerungen kleben. Schwere oder leichte. Doch eigentlich ist es überall gleich, wenn wir mal von den topographischen und den klimatischen Unterschieden absehen. Überall leben Menschen. Nettere und gemeinere. Mal mehr, mal weniger. Allgemeinplätze auf der ganzen Welt. Wären da nicht die Erinnerungen, die einen Ort zu einem besonderen Ort machen. Wären da nicht unsere Absichten, unsere Ziele, unsere Wege, die einen Ort zu dem machen, was er für uns hier und heute darstellt.

Noch ein pinker Klebezettel:
Alles was sich uns in den Weg und irgendwie selbstdarstellt, ist eigentlich gar nicht so, wie wir es sehen. Es sieht nur so aus, es tut nur so. Denn alles ist Interpretation. Gerüche ebenso wie Geräusche. Hupen interpretieren wir, je nach Erfahrung, als Gefahr, oder wir nehmen es kaum zur Kenntnis. Die richtige Interpretation kann uns das Leben erhalten. Doch ohne Intuition geht nix – sie ist das Vehikel der Interpretation. Könnten wir ohne diese zwei abgelutschten Begriffe überhaupt (über)leben? Und autofahren?

Auf blassgelb steht Zeitgeiz.
Nur dieses eine Wort. Zeitgeiz. L. und ich kennen es bestens. Wir geizen mit unserer freien Zeit, weil wir von ihr immer zu wenig haben. Zu wenig um sie so großzügig wie früher miteinander zu teilen. Seltsam, denn wenn wir endlich eine gemeinsame Nische finden – wie es zum Glück in den neunundzwanzigeinhalb Jahren, die wir uns nun schon kennen, immer wieder gelang – können wir kaum mehr verstehen, wie es soweit kommen konnte. Die Zeit wird auf einmal groß und weit und grenzenlos.

Nachts, beim Einparken neben meinem Wohnhaus, begreife ich auch, dass mich ein Leben ohne all seine Immerwieders total überfordern würde. Besonders dieses hier würde mir fehlen: Immer wieder meine Freundinnen und Freunde treffen und mit ihnen ein Stück Weg gehen, dass immer wieder neu ist, doch auf vielen gemeinsamen Erfahrungen basiert.

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Notizen über Notizen Vol.2

20. Februar 2010

Irgendwann will die Geschichte auf diesem zerknüllten Zettel hier erzählt werden. Nicht heute. Ein andermal. Sie handelt von Hoku und Po-Kuss … Es wird eine Geschichte sein von zwei, die sich brauchen. Hm, doch will ich eine solche Geschichte überhaupt erzählen? Warum nicht eine, von zwei Unabhängigen? Doch was wäre jenes Baum-Teil des neulich fotografierten siamesischen Zwillingsbaumes ohne das andere Teil? Und was wäre Abra ohne Kadabra?

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Auch die Geschichte auf diesem Notizblatt hier muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Die Geschichte nämlich von jener Geocacherin, die statt der Koordinaten des gesuchten Geocaches einzugeben, jenen Punkt markiert, an welchem sie steht und ihn mit dem Namen des Caches benennt, den sie suchen will. Da sie dabei, so stellen wir es uns doch hier einfach mal vor, auf der Großen Schanze steht, direkt am Abgrund also, und unten dran – zwanzig Meter tiefer – die Parkplätze des Bahnhofes, wird die Lokalisierung schwierig, denn kein GPS ist metergenau. Die beiden Geocache-Suchenden gehen also, da der Pfeil Richtung Stadt zeigt, mit dem Lift ein paar Etagen tiefer, durchqueren den Bahnhof, folgen dem Pfeil der Kompassnadel und landen, wen wundert’s?, schlussendlich wieder da, wo sie mal waren. Oben. Auf der Großen Schanze. Ob sie wohl etwas gelernt hat, die Sucherin?


Notizen über Notizen Vol.1

19. Februar 2010

Das Ewige Leben eines Notizzettels – Vor Jahren ver-makulatur-isiert worden, wie mir seine Rückseite verrät, wird er heute vorne vollgekritzelt, damit ich später die Zeilen – diese hier – abschreiben kann. Und schließlich landet er unnütz geworden und zerknüllt im Müll. Um des Beinahe-Reimes willen.

Gewusst? Zwei Drittel von dem, was wir tagtäglich raus lassen, ist reine Selbstverarschung. Ein Sechstel ist Bluff, ein Zwölftel Halbwissen und vier weitere Zwölftel davon maßlose Übertreibung! Doch immerhin der vierte Viertel ist reine pure Wahrheit, ich schwör!

No geits*. Warum reagieren wir erst auf Stress und Überforderung, wenn es nicht mehr geht?

Momou, es geit**! ES??? Gopf, wer ist eigentlich dieses dauergewellte und dauerstrapazierte ES wirklich? Gott oder was? Und wohin ES wohl geht? Vorwärts, seitwärts oder rückwärts? Aufwärts? Abwärts? Wie auch immer, bitte grüßt ES von mir, wenn ihr ES seht!

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* no geits! = berndeutsch für noch geht ES!

** momou, es geit! = berndeutsch für doch, doch, es geht!


Nachtfalter

20. Oktober 2009

Vorankündigung

„In der Reihe AnthoKuss veröffentlicht der WortKuss Verlag Anthologien zu wechselnden Themen und Genres. Auch Lyrik findet hier ihren Platz. Derzeit steht der Verlag im Gespräch mit mehreren Einzelautoren und Autorengruppen, die an einer Veröffentlichung ihrer Werke interessiert sind. Den Auftakt macht im November 2009 das Anthologieforum, eine Gruppe engagierter Autoren aus vier Ländern, mit der Anthologie Nachtfalter und andere Kreaturen der Dunkelheit.“

>>> Warum das hier steht?
Ist Werbung in eigener Sache,  denn da hat es zwei Geschichten von mir drin …
Und auch sonst einen Haufen guter Texte! <<<

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PS: … auf obigem Link unter Autoren könnt ihr mich besuchen …


Garage?

3. Oktober 2009

Wenn Sätze Autos sind, sind Buchstaben Steuerrad, Türen, Fenster, Räder, Sitzplätze.
Die Aussagen der Sätze sind meine Fahrgäste und dies Blog hier die Autobahn.
Oder die Garage?


Nachtnotiz

2. Oktober 2009

Was und wie wir sein wollen, sind wir doch immer nur halb.
Zu viele Kompromisse.
Zu viel Ablenkung.
Kompromisslose Wahl könnte ja Verzicht bedeuten.
Hintertüren sind so verdammt praktisch.
Doppelbotschaften ebenfalls.


Bürosophien

30. September 2009

Was wohl ein Couvert so ganz ohne Fenster fühlt? Neid womöglich auf jene mit Fenster?

Fühlt Gold seinen Wert und wie fühlt es sich wohl an, so wertvoll zu sein?
(Bin ich das wirklich für meinen Scheff, wie A. behauptet hat? Und will ich das überhaupt sein?)

Corporate Design versus Anarchie. Dienstwege versus Abkürzungen.

Den Farbdrucker streicheln, ihm gut zureden und die richtigen Taste drücken – jene, die rot blinkt -, damit er seine Arbeit wieder tun mag. Doch was kann ich für meine überarbeitete Kollegin tun?