Dazwischenzeitloch

27. März 2011

Fühlt sich gut an. Seltsam auch. Ungewohnt leer. Freundin M. hat nach der letzten Kiste sogar den gröbsten Dreck weggekehrt.
Nun gibt es hier nur noch ein bisschen Küche, Futon und Putzzeug. Reicht zum Leben. Eigentlich.

Wir haben gefrühstückt. Unsere beiden Gäste sind abgereist. Vor mir eine leere Obstkiste als Tisch. Sitzen tun wir auf improvisierten Sackkissen. Freundin B. kommt um zwölf. Dazwischenzeit. Loch. Leere. Fülle. Stille. Sein.

Ein Schwedengefühl, jetzt. Nach dem Frühstück die traditionelle Blogsequenz. Ferienfeeling ein wenig.

Was für eine elende verkappte Materialistin ich doch bin!, sagte ich zu Irgendlink. Gestern spätnachmittags. Siesta vor dem Konzert. Alles im LKW verstaut. So viele Dinge.

Später das Konzert. Hammer war es … Büne und seine Band haben drei Stunden ihr bestes gegeben. Witzig, ernst, tiefgründig, romantisch. Alt, neu, ewig.

Bild: iDogma-Art
aufgenommen mit Hipstamatic, bearbeitet mit PS Express und Pic Grunger, veröffentlicht mit Blogger+.


05:55

24. März 2011

Ich schaue auf meinen Wecker. Nullfüf-füfefüfz. Das gleichnamige Lied von Züri West erklingt. Im Kopf. Melancholische Sentimentaltät. Schlafen dürfte ich noch eine ganze Stunde. Ist ja erst nullfünf-fünfundfünfzig.

Doch ich liege schon seit einer Stunde wach. Drehe mich, wende mich, schiebe Gedanken von West nach Ost wie Vargas‘ Kommissar Adamsberg die Wolken. Und zurück von Ost nach West.

Ich lasse nahe und ferne Erlebnisse Revue passieren. Den gestrigen Abend zum Beispiel. Mein Abschiedsgeschenk fürs X, das Hilfswerk, für das wir arbeiten, sei das gewesen, hatte Kollege M. bei seiner Abschiedsumarmung gemeint. Gut möglich. Fragt sich nur, wer da wem ein Abschiedsgeschenk gemacht hat.

Es steckte unglaublich viel Zeit und Arbeit hinter diesem Event, keine Frage. Und noch mehr Herzblut. Den Bühnenpoeten PL, den Rapper KB und die Sprachkursteilnehmerin TH zusammen auf die Bühne zu holen und sie Geschichten über Sprache, Weisheit und Verständnis erzählen zu lassen ist eins, es dabei aber zu so einem wunderbar witzigen, unterhaltsamen Abend werden zu lassen, das andere. Das es gelungen ist, ist wirklich ein Geschenk. Ein Geschenk auch für mich, denn der Einsatz und die schlaflosen Nächte haben sich offensichtlich gelohnt.

Meine heutige Schlaflosigkeit gilt unter anderem meinem Rückblick auf fast drei Jahre Hilfswerkarbeit. Da ist Dankbarkeit für Gelerntes, für Erfahrungen, Begegnungen und ganz besonders für die Menschen, mit denen ich unterwegs war. Dankbarkeit und Freude. Als mir Kollegin K., die heute an meinem „Letzten“ nicht dabei sein kann, gestern Nachmittag ihr persönliches Abschiedsgeschenk überreichte, musste ich doch tatsächlich fast heulen. Ganz zu schweigen von all den Abschiedsumarmungen und -wünschen gestern Abend nach dem Event.

Mein Rückblick schließt die ganzen letzten sechs Berner Jahre ein. Die Heimat zu verlassen sei ein mutiger Schritt, meinte gestern die Scheffin meines Scheffs zu mir. Hat sie recht? Kann ich meine Heimat wirklich verlassen? Wenn ich sie in mir drin habe, ist sie doch immer dabei. Heimat ist das Schneckenhaus, das wir alle in uns tragen.

Sprache ist überall, heißt es im Manifest der Berner Spoken-Word-Gruppe „Bern ist überall“. Ja, und auch Kommunikation ist überall. Nicht-kommunizieren geht nicht. Wo Sprache ist, ist Heimat. Überall.

Zum Manifest: http://www.beatsterchi.ch/index___id=5751&l=de.html
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Von Reichlin und den Sternen

14. März 2011

Der Assistent der Sterne. Von Linus Reichlin. Genau! Darüber hatte ich gestern bloggen wollen. Gestern Morgen, gleich nach dem Aufstehen. Doch später war die Idee weg. Einfach so. Verschwunden waren Aufhänger und Einstieg ins Thema. Und mit ihnen auch der Grund, warum ich über dieses Buch hatte schreiben wollen. Über dieses Buch, das mich – wie schon lange keins mehr – gepackt hatte. Ein Krimi, den ich gar in der Nähe meiner Lieblingskrimischreiberlinge Jo Nesbø und Fred Vargas anzusiedeln wage. Die Figuren sind wie bei diesen beiden eigenständig, eigenwillig und überraschen immer wieder mit der Tatsache, dass sie nicht den gängigen Klischees entsprechen. Die Geschichte bleibt unvorhersehbar bis zur letzten Seite und am Schluss weißt du nicht, wer nun eigentlich der Bösewicht ist. Oder sind es gar alle wie im richtigen Leben? Auch gibt es bei Reichlin keine dieser immer irgendwie unglaubwürdigen Wendungen zum Guten. Die Rettung von außen. Deus Ex Machina. Was geschieht, geschieht, weil es folgerichtig ist. Und doch unerwartet. Und trotz der Dramatik unspektakulär. Verrückte Kontraste bis ins Detail. Dazu eine schlichte, komplexe Sprache, die mich anspricht.

Okay, das alles war es aber nicht, was ich gestern hatte schreiben wollen. Da war nämlich noch ein Fetzen Traum drin gewesen und darüber hatte ich schreiben wollen. Ich hatte die Geschichte nach dem Ende des Buches weitergeträumt. Leider kommen verblasste Träume selten zurück. Ihre silbernen Haare lassen sich nicht festhalten. Träume fliehen, wenn du ihnen zu nahe kommst. Auch Ideen haben es an sich, ätherischem Öl gleich, zu verduften. Wenn du sie nicht aufschreibst zumindest. Manchmal selbst dann.

In Worte fassen lassen sich nicht alle gern, weder Ideen noch Menschen. Geschichten schon gar nicht. Nur wenn du Glück hast und sie es zulassen.

Jetzt gehe ich besser ins Bett. Mein Tag war lang und streng und ich bin müde. Ich weiß kaum mehr, wo oben und unten ist und ob Buchstaben nicht einfach eine andere Form von Wassermolekülen sind – die vierte Form, neben Wasser, Eis und Dampf sozusagen – und Geschichten demzufolge nichts anderes als Getränke. Sie können uns benommen machen oder nähren, aber sie können uns auch beruhigen oder auf- und anregen.

Ach, und noch was, Reichlin lesen ist eine gute Idee. Fast so gut wie Trinken und Träumen.


es geht aufwärts

13. März 2011

Es ist die Angst vor dem Aufstieg, die mir zuweilen die Freude am Leben vergällt. Auf einmal wusste ich es. Glasklar. Wenn ich diese Angst überwinden könnte, würde ich meine latenten Ängste vor dem Leben mehr und mehr verlieren.

Wir hatten Z. längst hinter uns gelassen, J. und ich, und radelten Richtung Hornbach. Immer südwärts. Der erste Frühlingstag. Der erste Tag ohne lange Unterhose. Der erste Tag ohne Mütze und Handschuhe … Kilometer um Kilometer fuhren wir vorwärts. Geradeaus. Abwärts. Und wieder geradeaus durch die bald schon in üppigem Grün strahlende Landschaft. Immer südwärts, wie gesagt. Feriengefühle ein bisschen.

So mag ich Radfahren, sagte ich zu Irgendlink. Damals, als der Po noch nicht weh tat. Kleine Steigungen nahmen wir locker. Die Sonne schien, die Vögel pfiffen. Mensch, was willst du mehr?

Die Idee von der Radtour kam von meinem Liebsten. Ich selbst hatte für heute nur ein einziges Anliegen auf dem Herzen. Eine deutsche SIM-Karte samt Vertrag für mein smartes Mobiltelefon wollte ich erstehen, denn bald schon würde ich im deutschen Netz fischen und telefonieren. Ganz zuoberst auf meinen Wochenplan hatte ich vorgestern diese Pendenz gekritzelt, da ich ja endlich mal meine Adressänderung verschicken wollte. Wir würden also einfach auf der Durchfahrt beim Telecom-Laden vorbeifahren und anschließend weiter südwärts radeln. Gesagt, getan.

In Hornbach Boxenstopp. Wasseraustausch. Gedanken ebenfalls.

Erinnerst du dich? Heute Vormittag beim Frühstück hast du vorgeschlagen, wir könnten heute eine größere Tour machen, an die sechzig Kilometer. Mir sei das zu viel, habe ich dir gesagt. Untrainiert wie ich bin, sagte ich zu Irgendlink. Zuweilen überfordern wir Menschen uns gegenseitig mit unseren Ideen, Wünschen, Bedürfnissen, Begrenzungen. Du mich zuweilen mit deinen großen Plänen, ich dich wohl mit meiner Angst vor dem Abenteuer.

Mittelwege gehen … Hm, was meinst du, kann das Gehen von Mittelwegen, kann das Finden von Kompromissen langfristig glücken, ohne das die beiden Menschen, die sie schließen, unglücklich dabei werden? Führt womöglich der einzig wahre Weg der Selbstverwirklichung über den Egoismus?

Manchmal wohl ja, manchmal nein. Gewiss müssen wir manchmal kompromisslos unser Ding tun, doch manchmal müssen wir uns aneinander reiben und dabei gemeinsame Wege finden. Laut denken, sagte ich, verhilft mir zu Klarheit. Ist es ein Zeichen der Reife und der Liebe, fragte ich J., oder ist es ein Zeichen der Resignation, wenn wir uns mit Mittelwegen zufrieden geben?

Ein Thema, das wir ausgiebig diskutierten … Bis zur nächsten Steigung zumindest. Denn die kommt immer irgendwann.

Es ist die Angst vor dem Aufstieg, die mir zuweilen die Freude am Leben vergällt, begriff ich, es ist die Angst vor der Angst. Es ist meine Nichtakzeptanz von Steigungen in meinem Leben. Mein Trotz gewissen Naturgesetzen gegenüber, sozusagen.

Sich anstrengen, sich verausgaben, nach Atem schnappen, das rasende Herz im Hals klopfen zu spüren, während ich eine Steigung nehme, empfinde ich als unangenehm, doch hinterher fühle ich mich gestärkt und bin stolz, es einmal mehr geschafft zu haben und oben angelangt zu sein.

Grenzen sanft weiten wie im Yoga, immer ein klein wenig weiter, ein klein wenig länger aushalten, das mag ich. Aber bitte auch schön sanft im richtigen Leben! Einfach immer schön so, dass ich dabei in meinem eigenen Tempo vorangehen und meiner Angst in meinem Tempo begegnen kann.

Einundvierzig Kilometer und viele Höhenmeter später langen wir um achtzehn Uhr wieder auf dem einsamen Gehöft an. Mein Po ist wund. Meine Beine, meine Füße sind müde und ich bin glücklich. Erschöpft lasse ich mich ins Bett fallen. Und ein klein bisschen mutiger.


wohin und woher

10. März 2011

Part I

Wenn ich aufstehe, das zerwühlte Bett verlasse und Richtung Küche tappe, noch schlaftrunken, noch ohne Licht, noch erwachend, kann ich mir die Welt da draußen nicht vorstellen. Sie ist nicht. Es ist nur das, was ich jetzt bin. Nur ich. Ich und meine Träume, die langsam von mir abfallen. Ich und meine Visionen, meine Hoffnungen, meine Sorgen, meine Ängste.

Ich ziehe die Jalousien hoch. Sonnenstrahlen küssen den Küchentisch. Und den dort herum fläzenden Möbelprospekt, der als Beilage die Wochenzeitung eingedickt hatte. Betten. Perfekte Schlafzimmer, minimal möbliert, mit Kunstdrucken an den Wänden. Perfekt gemachte Betten, faltenlos wie die leichtbekleideten Damen, die sich darauf räkeln.

Sterile Betten, die so gar nicht nach Lust, nicht nach Liebe, nicht nach Leidenschaft aussehen.

Seltsam eigentlich, ist doch das Bett, ist doch das Schlafzimmer jener Ort, wo wir am meisten uns selbst sind. Ganz. Wild. Verträumt …

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Part II

5. Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch Autoritäten, die gegenteiliger Ansichten sind.

Ein Satz, den ich neulich beim Blogroll-Surfen via Wildgans bei Zigeunerweib gelesen habe. Hat Betrand Russel gesagt. Unter anderem.

Nicht, dass ich den Satz so ganz unterschreiben könnte, aber die Essenz hat was. Jede Ansicht hat ihr Gegenteil – bloß: was war zuerst?

Diese Woche ergab es sich, dass ich für Internetrecherchen ein paar Mal hintereinander virtuell Zeitung gelesen habe. Wie bei Blogs lassen sich solche online-Artikel kommentieren. Und wie die guten alten Papierbriefe von Lesenden spiegeln Kommentare die Sicht der jeweiligen Gesellschaft wider. Ob es eine Durchschnittssicht ist, die da auf dem Bildschirm abrufbar ich, kann ich allerdings nicht beurteilen. Sowenig wie ich übrigens an sogenannt repräsentative Umfragen glauben kann. Sind nicht immer die eine Gesellschaftgruppen lauter und melden sich eher zu Wort als andere? Deshalb weiß ich also nicht, ob es repräsentativ ist, wenn auf einen kritischen Artikel mit eher rot-grünen Klang zur Wahl des Hardliners Amstutz in den Ständerat, vor allem braune Antwortschreibende das Wort ergreifen, den Artikelschreiber mit Wortmüll bewerfen und ihn gar einseitig nennen. Und drohen, Amstutz‘ Wahl, sei erst der Anfang gewesen … Mir stockt der Atem. Wohin gehen wir? Wir – als Gesellschaft, als einzelne?

Demokratie heißt nebeneinander leben, sich respektieren. Heißt kommunizieren, versuchen, andere Ansichten zu verstehen, heißt sich reiben ohne sich aneinander aufzureiben.

Habe zwar Respekt vor der Autorität anderer, doch denke daran, dass es immer Autoritäten gibt, die gegenteiliger Ansicht sind. Dein Respekt sei wohlwollend, aber nicht unterwürfig.
(by Sofasophia)

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Part III

Ich öffne die Haustüre. Sie ist die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, die Schleuse zwischen Innen und Außen. Fast unmerklich ziehe ich, sobald ich die Schwelle überschreite, eine Schutzhaut an. Traum, Wildheit, Geborgenheit lasse ich drinnen und betrete die kalte Welt da draußen.

Die kalte Welt?

Jede Ansicht hat ein Gegenteil.


Von Übergängen und anderem Überzöix

3. März 2011

Übergänge wäre ein guter Titel. Oder genug. Nein, eher zu viel. Womit wir doch wieder bei den Übergängen wären, die sich irgendwo zwischen genug und zu viel im Niemandsland aufgebaut haben. Zollposten gleich.

Zwischen den rotweißen Balken stehe ich irgendwo. Zwischen drin. Weder innen noch außen. Noch nicht drüben und nicht mehr hier. Wie in einem der Lieder meiner Lieblingsband. (Nonid u schonümm, Seite 4) Kaum auszuhalten sind solche Phasen und mein Körper reagiert mit Erschöpfung. Seit vier bin ich wach. Das laut und schnell klopfende Herz ließ sind auch mit Baldrian nicht beruhigen. Um halb sechs, nach anderthalb Stunden mich hin- und herwälzender Unruhe, griff ich zum Krimi und konnte mich so zum Glück ein bisschen ablenken. Ablenken von all den Pflichten, die mich im Büro erwarteten. Zu viel. Zu viele Pflichten, die mir einerseits mein den Urlaub genießender Scheff aufgetragen hat, andererseits Pflichten, die zu meinem Alltagsjob gehören und dann auch solche, die mit meiner Funktion als Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit zusammenhängen. Nicht zuletzt mein Anspruch von Perfektionismus. Besonders in Bezug auf die Übergabe meiner Aufgabenbereiche an meine Nachfolgerin, die vor drei Tagen angefangen hat.

Die Zeit, sie rennt. Sagen derzeit alle. Überall. Schreibt Irgendlink. Oder sie versteckt sich vor mir und macht sich klein.

Alles baut sich auf, scheint es mir, alles spitzt sich zurzeit zu, der Spannung vor einem Gewitter gleich. Alles verdichtet sich in meinem Leben und fokussiert das Monatsende. Das Finale in Bern. Täglich schieben sich neue ToDos in meinen eh schon ziemlich vollen Kalender. Dazu wollen mich liebe Freundinnen und Freunde nochmals sehen und Abschied nehmen. Und ich natürlich auch von ihnen. Mir ist, als würde ich nach Australien auswandern, nicht bloß in die Pfalz. Was im Grunde nicht viel weiter ist als in die Süd- oder Ostschweiz. Nur eben über die Grenze. Und das ist doch ein ziemlich großer Schritt, zugegeben.

Obwohl. Grenzen überschreite ich zurzeit täglich, meine ganz persönlichen. Nicht immer zum guten, leider, denn meine eigenen Ressourcen kommen kaum nach sich zu erneuern. Ich gestehe, ich fühle mich überfordert.
Wie eine Decke, an der alle ziehen,
sagte ich heute zu Kollegin M., meiner Nachfolgerin. Mein Körper bremst mich aus. Fieber, seit heute Morgen, nicht hoch, aber doch genug, damit ich begreife, dass ich entschleunigen muss. Zum Glück habe ich drei Tage frei.

Heute eine Einladung zum Mittagessen bei Freundin C.. Soll ich absagen? Mit Fieber werde ich keine tolle Besucherin sein, überlege ich ihm Büro. Nein, halt, ich will C. sehen!, entscheide ich und radle los. Zu spät zwar, aber besser als nie.
C., du hast mir das Leben gerettet!, sage ich ein paar Stunden später, beim Abschied. Little-F., der kleine Strahlemann und seine Mama winken zum Abschied. Mein mentales Gleichgewicht ist trotz des Fiebers wieder im grünen Bereich.

Heißes Bad, Grog, schlafen … hilft alles zusammen ein bisschen. Doch noch dröhnt der Kopf. Noch bin ich zu aufgekratzt um loszulassen. J. kommt heute Nacht, will in den nächsten fünf Tagen das Bern-Meisterwerk vollenden. Und mich sehen auch, natürlich, und ich ihn. Trotz meiner Erschöpfung, die sogar Vorfreude frisst.

Grad wünsch ich mir nichts sehnlicher als das ganze Überzöix wie Pflichten im privaten und im Berufsleben einfach wie eine Schlangenhaut auszuziehen, abzulegen und mich fallen zu lassen.


Im Blogarium

2. März 2011

Ich innen drinnen.
Du außen draußen guckst durch Glas,
das trennt und das verbindet. Undurchschaubar.

Ein Kaihu nach Irgendlinks Definition. Die europäische Antwort auf Japans Haikus. 5-8-11 lautet die Formel.

Formel? Aber ja doch, denn alles will definiert werden, alles will geklärt sein. Alles will in unserer materiellen Welt geformt und gefasst, gezähmt und eingegrenzt sein. Ich gestehe, dass mich diese Machbarkeit zuweilen überfordert. In diesen Augenblicken fühle ich mich wie sich wohl meine Rennmäuse gefühlt haben müssen, die inzwischen längst alle – unumglast – im Mäusehimmel herumrennen.

Da war dieser Moment – ich hatte ein paar Freundinnen zu Besuch –, wo wir uns alle um meine Terrarien gestellt und den Mäusen beim Klettern und Knabbern, beim Turnen und Tanzen zugeschaut hatten, als Freundin B. sagte:
Vielleicht sind da, sie zeigte nach hinten, oben, außen und wir alle folgten gebannt ihrem Finger, der ebenso gut das Universum wie die Nachbarin im oberen Stock meinen konnte, vielleicht sind da welche, die größer sind als wir. Und die uns nun zuschauen, wie wir den Mäusen zuschauen, und die über unsere Klettereien und Liebes- und Lebenstänze fachsimpeln. Oder die sich, wie wir bei den Mäusen, über tier- will heißen, menschengerechte Haltung, den Kopf zerbrechen.

Vielleicht.

Menschengerechte Haltung: Ist das Batteriehaltung in Hochhäusern, ist das Mobilität in engen Bussen auf verstopften Straßen? Ist das Arbeiten eingeklemmt zwischen Ordnern, Shredder, ToDo-Listen und Rollschränken?

Hallo, ist da jemand?

Kater Findus flirtet mit Micro Rennmaus. Bild aus meinem Archiv.