Finale

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Denke an alles. An nichts. Schaue die leeren, weißen Wände an. Spüre die Unabänderlichkeit.

Erinnerungen ans Wochenende. Letzte Besuche vor dem Umzug. Freundinnen. Freunde. So wird es niemals mehr sein, so, wie es bis jetzt war. Unwiederbringlich vorbei.

Ein weiterer Band meiner Lebensgeschichte geht seinem Ende entgegen. Die letzten Seiten schreibe ich. Heute. Morgen. Übermorgen. Absehbar. Das Finale, mein Happyend in Bern. Und da ist Vorfreude auf das neue Kapitel im Lebensbuch.

Be continued, steht auf der letzten Zeile, à suivre.

Das neue Buch liegt bereit. Bereits sind die ersten Seiten skizziert.

Doch halt, da gibt es ja gar keinen Plot, das ist richtiges, gelebtes Leben.

Ich schreibe mein Drehbuch wohl mit, doch da sind so viele Miteinflüsse, über die ich keine Macht habe. Nicht auf Gefühle, nicht auf Fakten. Aufs Wetter ebenso wenig wie auf Stimmungen anderer, auf Straßenverkehr oder auf Mond- und Sternenkonstellationen. Alles steht ständig zu allem in einem Verhältnis. Sympathikus. Parasympathikus. Wechselwirkungen. Polare Bewegungen. Energie. Gaddafi. Kernspaltung. Vom Kleinen ins Große und zurück. Wieder ins Detail, wo – wie es heißt – der Teufel hockt.

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Kleine Welt. Müde. Mutig. Machtlos. Menschlich.

Bild: iDogma
Mit Hipstamatic fotografiert, mit Diptic montiert, mit PS Express geschärft und gerahmt.

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3 Responses to Finale

  1. irgendlink sagt:

    Irgendwie ist es faszinierend ähnlich, wenn man sich die Bilder-Historie im iPhone durch sieht, wie sich Bild auf Bild legt und wie sie langsam aus der Erinnerung verblassen und wie man sie sich mit einem Fingerstreichen auf dem Touchscreen wieder präsent machen kann, sie mit Bilder Kunst Programmen aus der Vergangenheit holt, aufpoliert, verändert, beschneidet, neu zusammen setzt und dann hoch aktuell wieder im Bilderordner speichert. So ähnlich muss es im eigenen Kopf aussehen. Ich bin jetzt bald 1 Jahr alt, rein iDogmatisch gesehen und das Telefon enthält über 6000 Bilder – faszinierend, die Entwicklung von den ersten missglückten Anfängen zu sehen bis zur geradezu explosionartigen Entfaltung seit etwa zwei Wochen – fast denke ich, es ist wie die Natur – langsam wachsen, blühen, reifen, Früchte abwerfen.
    In Deinen verblüffenden Diptic-Montagen, erkennt man die Rafinesse erst auf den zweiten Blick, muss genauer hinschauen – das Programm gibt ja per Standard immer den Rahmen vor, in dem die Einzelbilder noch als Einzelbilder erkennbar sind. Dadurch, dass Du den Rahmen weglässt, die Bilder gespiegelt aneinander fügst, erzeugst Du Ecken, wo eigentlich keine sind, Duschvorhänge aus feinstem Damast, hinter denen man je nach eigener Stimmung das Gute vermuten kann oder das Böse. Und: Fotos, die näher daran sind ein klassisches Foto zu sein, als man vielleicht vermutet.

  2. Anhora sagt:

    Liebe Sofasophia,
    ich bin in meinem Leben 16 mal umgezogen, auch Ausland war dabei, und der 17. Wohnungswechsel steht kurz bevor. Niemand versteht besser als ich, wie es dir gerade geht. Auch wenn das Neue noch so erwünscht ist – man gibt immer etwas auf, was man kannte, und man weiß nicht, was man dafür kriegt. Spannend ist das, aber man braucht gute Nerven. Die wünsch ich dir an dieser Stelle, und der Grund für deinen Umzug ist ja eigentlich der schönste, den man sich vorstellen kann. 🙂

  3. Sofasophia sagt:

    liebster irgend
    danke für deine zeilen. ecken kann ich gut. 😉
    was ist wirklich wirklich? können wir wirklichket abbilden? es bleibt alles immer nur annäherung: mit bildern. mit buchstaben. aber sie ist es wert weiterzugehen, die annäherung, sie ist den versuch immer wieder von neuem wert … 🙂

    liebe anhora
    leidensgenossin du, von neuem. ich ziehe diesmal ungefähr zum dreiundzwanzigsten mal in bald 46 jahren um. beim 19ten umzug habe ich mit zählen aufgehört. 🙂
    ja, du hast so recht. wir geben etwas auf, vieles, unfassbares – und wir haben dann freie hände für neues. die nerven sind grad aktuell mein schwachpunkt. aber das kommt wieder. und der umzugsgrund – jaaa – der ist schön. 🙂
    danke für die lieben zeilen!

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