ziemlich farbig

28. September 2010

Noch bin ich nicht ganz in meinem Berner Alltag gelandet. Noch klingen die vielen Begegnungen vom Wochenende nach …

Zum einen war da das zweite Wochenende der Ausstellung von Irgendlinks Zwb-Andorra-Reisen aus den Jahren 2000 und 2010. Zeitgleich fand eine ColArt-Malaktion von und mit dem Begründer MK statt … Gleichsam ein Puzzlestück auf dem Weg der Renaissance dieser vergessenen Kunstrichtung.

Viele Gespräche mit Bekannten und Unbekannten in Irgendlinks großem Atelier. Da und dort werden Weisheiten ausgetauscht, wie die Welt, die Kunst, das Leben auch noch betrachtet werden kann. Die Kunstmalerin MB meinte:
„Auf der einen Seite gibt es da ein paar Dinge, die ich sehr gut kann*. Und auf die bin ich irgendwie stolz … Doch hochmütig kann ich dabei nicht werden, denn mir fallen immer rechtzeitig jene Dinge ein, die ich nicht gut kann. So bleibe ich auf dem Boden. Wenn ich jedoch etwas tue, was mir nicht so liegt, erinnere ich mich an jene Dinge, dich ich gut kann. Auch so bleibe ich auf dem Boden.“

Wie da die Gespräche zwischen Kunstschaffenden hin und her fließen, fasziniert es mich von Neuem, wie wir Menschen ticken. Alle buhlen wir. Alle stellen wir uns selbst dar. Alle sind wir die Weber und Künstlerinnen unserer eigenen Lebensfäden und versuchen, das bis hierher Erlebte, Erfahrene, Erlittene, Erreichte zu schönen, aufzuwerten, zu nutzen und auf unseren Wert hinzuweisen. Verblüffend, wie ähnlich wir uns alle da sind. Ob bekannt oder NoName – wir alle tun es!

Und wir alle sind nur ein kleines Stück im Ganzen. Ein bunter Fleck auf der Leinwand, die Welt heißt. Wir alle tragen durch unseren Beitrag ein bisschen zum großen Bild bei. Ein Bild, von dem wir noch keine Ahnung haben, wie es aussehen wird, wenn es vollendet sein wird.

Das ColArt-Bild vom Sonntag:

Am Abend – nach zwei satten Ausstellungs- und Aktionstagen – besuchen MK, J. und ich einen Künstler in dessen Werkstatt. Wo nebenbei dieses Bild hier entsteht …

Irgendlink betrachtet die Welt durch die Brille eines Außerirdischen … Was er dabei erkannt hat, hat er niemandem verraten.

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*Anmerkung der Blogschreiberin: Malen, Dichten und Unterrichten zum Beispiel …

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Herbstanfang

25. September 2010

Gestern, auf der Suche nach zwei Geocaches …


hingeguckt …

23. September 2010

zu 1.) Ja, ich mag Randensalat alias Rote Bete-Salat, wie die Köstlichkeit im Norden heißt. Aus einem orangen Teller gegessen und die Sauce mit Brot aufgetunkt, sieht es nachher so aus.

zu 2.) Und ja, ich mag Süsses … Diesen Schoggi-Blechkuchen nehme ich heute ins Irgendlinksche Offene Atelier mit …
Backofenkunst trifft Fotokunst 🙂

Bin ab heute vier Tage auf dem KünstlerInnen-Berg… Ob ich zum Bloggen kommen werde, wird sich zeigen.


hingucken

22. September 2010

sag mir, was du siehst und ich sag dir, was ich mag …


Multikulturelle Wäscheleine

21. September 2010

Genau so muss der Titel lauten, beschließe ich beim Aufhängen der letzten schwarzen Socke. Und schon während ich das Treppenhaus hochsteige, steigen sich Sätze und Wörter gegenseitig auf die Schultern. Ich, ich, ich!, rufen sie und wollen alle gesehen werden. Und geschrieben. Darum starte ich subito den Laptop auf …

Doch dann verbummle meine freie Zeit mit Lesen und Surfen. Mails und Blogs. Auf einmal fällt mir unsere Wäscheleine da draußen wieder ein. Und warum ich den Laptop überhaupt eingeschaltet habe. Die Wäscheleine.

Okay, es war auch wegen der Bilder, wenn ich ehrlich bin. Unser Jubiläumsfest-Fotograf, versprach gestern, mir heute ein Bild von mir zu mailen. Die andern Bilder seien erst Ende Woche bereit. Von wegen bearbeiten und so. Echt, das Bild gefällt mir. Nein, ich zeige es euch nicht, es gefällt mir trotzdem. Meine Fotogenität hält sich – finde ich – in Grenzen. Aber der Typ – und natürlich immer wieder mein Liebster – machen es möglich, dass ich Fotos von mir angucken kann und sagen:
Doch, das fühlt sich so an, wie ich mich ungefähr fühle – kongruent irgendwie.

Ihr wisst schon: da ist doch immer dieses Außenbild – wie ich mich von außen wahrnehme. Wie ich glaube, zu wirken. Wie ich meine, dass andere mich von außen sehen. Im Grunde eigentlich sch…egal, doch wer ist schon immun gegen solche Gedanken? Sowieso ist dieses Außenbild kaum mit dem inneren Bild kongruent. Denn innendrin fühle ich mich zuweilen sehr mädchenhaft, übermütig und irgendwie einfach nicht fünfundvierzig. Nicht auf die Art fünfundvierzig, wie ich früher, jünger, von unten herauf gedacht hatte, dass sich fünfundvierzig anfühlen müsste. Von außen sehen die Leute einfach eine durchschnittliche Frau von fünfundvierzig. Eine immerhin, die sich oft aufführt als wäre sie zwanzig Jahre jünger. Oder wahlweise älter, denn dann darf frau auch wieder so tun.

Auf dem Weg zur Arbeit gedacht: Das ist mal wieder so ein Tag, an dem mir alles ein bisschen leichter fällt. Herbstmorgengoldenes Licht auf dem Radweg. Das richtige Lied im Ohr, Shuffle sei Dank. Und schon bin ich im Büro und habe Spaß an der Arbeit.

Aber ich schweife ab. Die multikulturelle Wäscheleine. In unserem Hof, zwischen meinem und den Nachbarhäusern gelegen, steht eine dieser omnipräsenten Wäscheleinegestänge, wie es sie auf Hinter- und Zwischenhöfen überall auf der Welt gibt. Bei den Stangen, die zu meinem Haus gehören, fehlen allerdings die Leinen für die Wäsche. Deshalb hängen alle Leute von allen vier Häusern ihre Wäsche an die eine Nachbarhaus-Wäscheleine.

Wen kümmert‘s? Viele sind es eh nicht, die sich diese Mühe nehmen. Darum ist es ein Novum, dass gleich drei Parteien gleichzeitig – so wie heute Nachmittag – ihre Wäsche draußen aufhängen. Verdanken tun wir es wohl dem wunderbaren Altweibersommer …

Meine Wäsche hängt nun in der Mitte. Bunte Kleider, Frottierwäsche, schwarze Slips und so weiter. Alles an bunten Klammern. Die Wäsche rechts von meiner, die erstgehängte, ist akkurater ausgerichtet als meine und nach Farben getrennt. Vor allem Weißwäsche. Leintücher, weiße Unterwäsche, Geschirrtücher aus Leinen. Sag mir, was du wäschst und ich sage dir, wer du bist. Ältere Leute vermute ich.

Egal, wir hängen alle an der gleichen Leine.

Die drittgehängte Wäsche gehört einer jungen Frau aus Osteuropa. Sie hängt synthetische Sporthosen auf. Und ebensolche Jacken. Blau. Sorry, die Klischees stammen nicht von mir. Wir grüßen uns, reden drei Sätze. Ja, es hat genug Platz, sagt sie, denn ich habe nachgefragt. Sie stammt aus dem richtigen Haus. Ich bin die Wäscheleine-Asylbewerberin und im Boot ist noch Platz.

Die gleiche Leine, drei Kulturen. Drei Generationen sogar. Ich mittendrin.

Die ganze Welt auf hundert Metern Draht vereint.


Schwarzwasser – immer wieder schön

19. September 2010

Heute mal wieder ein paar Bilder …

kühles Nass …

rausgefischt … (siehe oberes Bild)

Das letzte Fußbad der Saison???

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mehr Bilder und die Radtour-Route findet ihr auf EveryTrail


Wo ist das Loch im Eis?

19. September 2010

Mein Plan war einfach. Jetzt wo ich doch endlich in mir drin wieder neuen Raum hatte, wollte ich den unverplanten Samstagabend damit verbringen, mein Manuskript „Loch im Eis“ zu überarbeiten. Will heißen, damit anfangen. Irgendlink hatte es vor ein paar Monaten gegengelesen und mit feinsäuberlicher Schrift am Rand seine Tipps und Korrekturen, Bemerkungen und Vorschläge angebracht. Außerdem hat sich ein Profi, den ich angefragt habe, angeboten, meinen Roman im Januar gegenzulesen. Doch zuvor muss ich – wie gesagt – das ganze nochmals überarbeiten. Ich würde den Text zuerst mal in Papierform lesen und mit einer anderen Farbe als mein Liebster meine eigenen Bemerkungen anbringen. So viel zu meinem Plan.

Schnell war sie gefunden, die Mappe. Die vermeintliche. „Loch im Eis“ stand auf dem Umschlag. Doch darin befand sich „nur“ das Roh-Manuskript, jener Ausdruck nach der ersten groben Korrektur. Doch wo steckt das richtige Ding, jenes mit J.s Korrekturen? Ich durchforstete alle möglichen Ecken meines Wohnzimmers, alle Möglichkeiten, wo ich normalerweise Texte ablege. Später auch die Unmöglichkeiten. Nicht wenige. All die Büchergestelle, all die Fächer, all die Nischen und Tablare. So viel Papier überall! So viele Sätze, so viele Wörter, so viele Buchstaben. Die Bücher mal ausgenommen!

Auf einmal packt mich die Aufräumwut. Nein, nicht -wut, -energie. Ich reiße alles raus, was endlich mal wieder gesichtet werden muss. Zuerst auf dem Boden später auf dem Esstisch: die guten ins Töpfchen, die schlechten in Kröpfchen. Nicht wörtlich, zum Glück. Sonst hätte ich jetzt eine Papierverstopfung. Doch einen Shredder habe ich mir gewünscht.

Keine Spur vom gesuchten Manuskript! Keine Ahnung, wo es ist. Leider hat meine Bio-Software keine Suchfunktion. Ob ich das Ding wohl bei J. liegen habe, weil ich bei ihm zuhause daran arbeiten wollte?

An meinem roten Lebensfaden bin ich innert Stunden rückwärts gebaumelt, habe mich durch die letzten zehn Jahre buchstabiert und meine eigenen Spuren gelesen. Habe gesichtet – kein Wort passt hier besser. Bilder fand ich, Notizen zuhauf, Textfragmente, Drucksachen von Kursen da und dort, Unterlagen von möglichen Ausbildungen (wo und wie wäre ich heute, wenn ich damals …?), Korrespondenz auch. Spannend, worüber ich mir vor acht Jahren Gedanken gemacht habe. Jeden Fetzen Papier, der außerhalb eines Buches in meiner Wohnung herumlag, habe ich gestern Abend in die Hand genommen. Etwa viereinhalb Stunden intensiven Eintauchen in eine Geschichte. In meine.

Spannend zu sehen, worüber ich in einem früheren Leben nachgedacht habe. Den roten Faden sehe ich deutlich, sehe meinen Kern, meine Spur, meine Essenz. Sehe, wer ich war und wer ich bin. Immer noch die gleiche und doch anders.

Ergebnis Nummer eins: Zwei fette Stapel Altpapier, die ich am liebsten Blatt für Blatt verbrennen möchte.

Ergebnis Nummer zwei: Nun hat es wieder ganz viele leere Mappen. Vorerst brauchen sie nur ein bisschen Warteraum, doch sie hungern, das spüre ich, sie hungern danach, mit neuem Zöix gefüllt zu werden. Das ich in zehn Jahren entsorgen kann.

Ergebnis Nummer drei: Halbleere Notizbücher, Makulatur, viele unbeschriebene Blätter. Auch sie lechzen gierig nach Buchstaben! Gefährliche Leere.

Das Ergebnis Nummer vier: Da sind auch ganz viele Notizen. Wörter. Sätze. Gestrandet. Angespült wie Muscheln im Sand liegen sie da. Einige mit Perlen drin, ich ahne es. Überall zwischendrin lagen sie rum.

Und jetzt? Soll ich dennoch weiterschreiben? Soll ich weiter Altpapier produzieren, das ich in zehn Jahren entsorgen werde? Damit alles schön im Kreislauf bleibt?

Eine rote Sammelmappe liegt auf meinem Schreibtisch. Mit all den vielen kleinen Buchstaben drin, den gestrandeten. Mit all den Perlen, die ich noch nicht wegwerfen wollte. Vielleicht webe ich daraus eine Wort-Collage. Ein Wörterbild aus all den Sätzen – notwendigerweise aufzuschreiben – damals, irgendwann. Bei den meisten werde ich kaum mehr wissen, was ich gemeint hatte. Dada der etwas anderen Art.

Ist nicht irgendwie auch unser Hirn so eine Art Collage?