schrecklich vernünftig

29. Juli 2009

Eine meiner unzähligen Schwestern, die nächstältere nämlich, kann für einmal nicht mit ihrer Familie in die Ferien fahren. Die Reisestrapazen wären zurzeit zu viel für sie. Im Frühling hatte sie einen schrecklichen Unfall und ist noch immer nicht fit. Darum haben mein Lieblingsbruder und meine Lieblingsschwägerin sie ein paar Tage zu sich eingeladen. Eine gute Gelegenheit für mich, den ganzen Familienhaufen im gleichen Aufwisch mal wieder zu treffen – zumal Lieblingsbrüetsch & Co. näher wohnen als Schwesterherz.

Wenn dann meine Lieblingsnichte noch aufzukreuzen beschließt und mein Lieblingsneffe, seine chilenische Frau, deren Besucherinnen samt Kids sich uns anschließen und wir zur Feier dieses Wiedersehens meinen Lieblingssee Nr. 2 aufsuchen – tja dann! Dann werden die Feste gefeiert, wie sie fallen …  Schließlich taucht noch ein Freund der Familie mit seinen Kindern am See auf. Nun ist die kunterbunte Gästeschar komplett.

Am See

Brüderchen, Schwesterchen und ich, die wir selten in dieser Kombination aufeinander treffen, stiegen, je später es wurde, desto tiefer die Kellerstufen der Vergangenheit hinab. Was da nicht alles zum Vorschein kam und wie unterschiedlich wir unsere Eltern in den verschiedenen Epochen unserer Kinderjahre erlebt haben! Ich staune immer wieder in solchen Augenblicken, dass wir über die gleichen Menschen sprechen und genoss es sehr, wie authentisch wir austauschen konnten. Obwohl, oder vielleicht gerade weil wir so verschieden sind. Besonders Schwesterchen und ich.

Spät nachts, müde, aufgekratzt und zufrieden wieder zuhause angelangt, widerstehe ich der Versuchung

  • meinen Laptop zu wecken und meine witzigen Schnappschüsse auf die Festplatte zu laden
  • meine Erinnerungen und den dreisprachigen Nachhall dieses Abends in eigene Worte zu kleiden
  • meine Gedankenfetzen einzufangen
  • all den unausgesprochenen Sätzen nachzulauschen

Wozu ich diesen Versuchungen widerstanden habe? Um zu schlafen natürlich. Und wozu will Sofasophia (genug) schlafen? Na, um morgen fit zu sein! Fit für die Arbeit!

Schrecklich, so vernünftig zu sein!, notiere ich vor dem Einschlafen. Wo ich doch Lust habe, schreibend über diese komplexen Themen nachzudenken. Und darüber, warum ich es nicht lassen will, die Dinge beim Namen zu nennen. Und über meine Direktheit.  Auch über die Bemerkung von Schwesterherz, dass ich schon immer darauf geachtet hätte, mir nicht in die Karten schauen zu lassen. Stimmt das? Noch immer?

Ich lösche das Licht und öffne meinen Traumweberinnen und Traumspinnern die Türe. Mögen sie aufdröseln, wo mir der Duchblick fehlt.

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