Absurd?

Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

Na ja, solche Gedanken sind – jedenfalls für mich – im Grunde völlig müssig, absurd sogar, denn Schreiben ist ja etwas, das ich fürs Leben gerne mache 🙂

Tatsache ist, dass meine Lebenszeit zurzeit so blödsinnig knapp wirkt, so dicht, so unfassbar, dass es fast weh tut … Je mehr ich darüber brüte, desto schneller vergeht sie, meine Zeit. Wie ätherisches Öl. Wie ein Duft. Schaue ich am Abend zurück, bedaure ich, wie uneffizient ich doch war … Habe – sagen wir mal – meine Zeit mit Bloggen vertan und über die Zeit sofasophiert, statt dies und das und anderes zu tun …

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.

Aktuell jedoch bin ich lebenshungrig. Ich will leben und erleben. Ich will sehen und verarbeiten. Ich will aufnehmen und schreiben. Und ich will meine Schreibe teilen.

Leben ist vorläufig. Voller „Vielleicht“ und voller „Womöglich“. Voller Möglichkeiten. Doch Möglichkeiten sind nur solange faszinierend, wie sie Möglichkeiten sind. Werden sie möglich gemacht, will heißen, werden sie ins Leben gerufen, sind sie nicht mehr möglich, sondern real. Und lange nicht mehr so faszinierend, wie damals, als wir ihnen nachjagten.

Ist etwas erst real, glitzert es nicht mehr. Oder doch? Ich will meine Realität immer wieder umträumen. Doch um sie umträumen zu können, wäre es noch gut, zu wissen, was ich will …

Fürs Erste reicht mir vielleicht ein bisschen Zeit, um diese Frage womöglich beantworten zu können. Dream on, Sofasophia!

Nazareth lässt grüssen!

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6 Responses to Absurd?

  1. Rébecca sagt:

    Genau. Zählt doch auf dem Sterbebett vielleicht einst nur noch die Frage: „Wieviel Zeit war ich liebend im Leben?“ Well done, wenn bis dann mehr als ein Fingerhut voller Glückstränen produziert worden sind. Und wenn schreiben AUCH glücklich macht – umso besser ;-)Ich vermute, dass wir dann jegliches Denken an Leistung und Produktivität hinter uns gelassen haben. Meinsch nit au?

    Herz, Rébecca

  2. Sofasophia sagt:

    ob sich liebe zählen lässt, liebe rébecca?
    ich freue mich mit dir auf jene lebenszeit, wo ich mit zählen aufhören werde. es gibt viel zu tun: lassen wir es bleiben! 😉

  3. Rébecca sagt:

    🙂
    stimmt! Nicht zählen. Nur geniessen. Da sein.
    Wünsch dir e wunderbars WE!

  4. Bredenberg sagt:

    Die Lebenszeit war gut, die frei war von Missverständnissen, sagt Mösiö.

  5. Rébecca sagt:

    diese Missverständnisse sind inszeniert ;-), sind also gar keine, hihi. War wohl ein Missverständnis… 🙂
    R aus Absurdinien grüsst den Mösiö B. aus …?

  6. Sofasophia sagt:

    @ bredenberg:
    jaaa, jene lebenszeit die voll verständnis ist, fühlt sich auch für mich gut an. sich selber verstehen, andere verstehen … auch wenn verstehen immer nur eine annäherung, eine ahnung ist …

    @rébecca in absurdinien
    besser (ab)surdinien als sardinen in öl – glaubs muss mal ein paar wortspiele posten!

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