NeoSchamanismus?

5. Juli 2009

Grenzerfahrungen dienen und dienten schon immer dazu, sich seinen Geistern und sich selbst zu stellen. Als Einweihungsritual. Fahrzeuge dorthin dabei waren seit jeher monotone Rhythmen, Trance, Singen, Schreien, dabei mit den anwesenden Geistern und Menschen in Kontakt zu treten, die Einheit zu zelebrieren. Dies half, sich von der diesseitigen Schwere zu löse und sich auf die Anderswelt einzulassen. Auf die Begegnung mit der eigenen Innenwelt, den eigenen Gefühlen. Indem wir uns erlauben, alles zu sein, innen und aussen, sind wir ganz und heil.

So weit so gut, doch was hat das mit meinem Alltag zu tun? Nun … ich behaupte, Patent Ochsner – und gewiss auch andere Bands – zelebrieren im weitesten Sinn schamanische Handlungen. Sie versetzen mich  in eine andere Schwingung. Während eines Gigs bin ich ganz bei mir. Innen und aussen.

Bereits beim Soundcheck klebten B. und ich, wie Groupies, an den Schranken vor der Bühne. Den Platz in der vordersten Reihen hatten wir uns in der Umbaupause unauffällig, zielstrebig und mit charmantem Lächeln gesichert. Darin ist B. einsame Spitze. Mit ihr gehe ich total gerne an Konzerte. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack (Musik, Männer und so weiter) und können uns gemeinsam so richtig hemmungslos auf die Musik und das ganze Drumrum einlassen.

Als Ochsners loslegten, löste ich mich schon bald in jenen Zustand glückseliger Entspannung auf, gefördert durch ansonsten eher unangenehme Grenzerfahrungen wie überdurchschnittlicher Lautstärkepegel und Enge. Doch das muss hier einfach so sein.

Patenter Sound zum Mitsingen – JeKaMi … Jed/r kann mitmachen 🙂

Da die Ochsen schon bald 20 Jahre im Buisness sind, ist das Publikum immer sehr altersheterogen. Die zwei niedlichen Mädels um die zwanzig neben mir, ob sie die Musik wohl schon im Tragetuch auf Mamas Rücken mitgekriegt haben? Und hintendran die Dame im Deuxpièce, welche Verbindung sie wohl hat? Egal! Ist doch geil, das wir alle – wenn auch befristet – gleich schwingen … Dieses Gefühl von Familientreffen stellt sich bei mir jeweils kurz nach den ersten Songs ein. I love it!

Bereits am 28. März, nach meinem letzten Ochsner-Konzert im Bierhübeli, schrieb ich in mein Internettagebuch:

Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt … Sind es die Texte, die Kompositionen?
Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche? Brauche ich Helden?
Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu „heilige Handlung“. Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?
(Quelle: http://www.lebenswertvoll.ch/Janaluna/Janalunas%20Internet-Tagebuch09_1.html)

Schön, B., dass wir mal wieder gemeinsam das Leben feiern konnten! S’fägt mega mit dir!
Die Nacht war zwar kurz, doch es hat sich gelohnt!

Wie sang doch Büne? „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …“ (Coversong, von Theo Makeben, neuinterpretiert)

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