Mücken fischen

30. Juli 2009

Worüber ich heute schreiben soll? Nein, falsch geraten! Es ist nicht so, dass mir NICHTS einfällt. Es ist eher so, dass ich mich täglich aus der ganzen Fülle, die sich vor mir auftut, auf ein Thema beschränken muss.

Tatsache ist, dass ich, seit ich täglich blogge, die Welt anders wahrnehme. Alles, was mir – oft buchstäblich – über den Weg läuft, wird in mir drin subito zur kleinen Alltagsgeschichte. Da tummeln sich Sätze herum, die ich wie Kaugummi von einer in die andere Ecke schiebe. Und die auch ebenso hartnäckig kleben bleiben. Mir geht es total anders, als Peter Stamm, einem meiner Schweizer Lieblingsautoren, der aktuell den kulturplatz-Blog des Schweizer Fernsehens bestreitet. Er schreibt im ersten seiner ungefähr vier bis fünf zu erwartenden Artikel:

Es fehlt mir am Mitteilungsbedürfnis und so furchtbar spannend ist mein Leben nicht (wenigstens nicht für andere), als dass ich darüber im Wochenrhythmus berichten müsste.

Ist mein Leben denn so viel spannender als seins oder jenes der anderen? Kaum! Oder ist es so, dass ich mich einfach gerne mitteile? Das gewiss, ja. Doch durch die Augen der Schreiberin betrachtet, kann der kleinste Fliegenfurz ein Ereignis sein. Bloße Blubber wie Kollege S., Texter, gewisse Leerläufe nennt? Ich hoffe es nicht. Seichte Unterhaltung? Auch das hoffe ich nicht. Ein bisschen was zu futtern für das Hirn? Das hoffentlich schon eher. Oder zumindest Unterhaltung auf jenem Niveau, das über den Bauchnabel hinausgeht.

Es ist keineswegs so, dass ich keine Gegenüber hätte, mit denen ich mich austauschen könnte, doch der schriftliche Output, wie jener eines Blogartikels, hat eben eine andere Qualität. Qualität im Sinne von Beschaffenheit, von Konzentration und Dichte. Es ist für mich eine Übung, mich schriftlich kurz zu fassen. Die Aufträge der Zeitschrift, für die ich schreibe, lauten jeweils so: 3600 Zeichen mit Leerschlägen. Zum Beispiel. Wie für Sirup werden also die zahlreichen Ideenfrüchtchen eingekocht. Schließlich erreiche ich den Moment, wo 1.) der Sirup genau die richtige Konsistenz hat und 2.) der Abgabetermin vor der Türe steht. Idealerweise  1.) vor 2.) wohlgemerkt. So nehme ich die Pfanne vom Feuer und lasse ein paar feinschmeckende Mitmenschen daran schnuppern und sie ein Glas versuchen, auf dass sie mir liebevoll-ehrlich und wohlwollend-kritisch sagen, wie das Ganze schmeckt.

Doch wo war ich gleich?  Bei der (Hirn-)Fütterung der Raubtiere Bloglesenden! Na ja, es ist ja nicht immer meine erklärte Absicht, Euch Geistreiches zu bieten, manchmal ist Bloggen einfach Warm-up. Einlaufen. Stretching. Bevor ich an einer Geschichte weiterspinne.

Apropos Spinnen. Thekla, wie ich meine Balkonmitbewohnerin nenne, ihres Zeichens Spinne, legt eine beneidenswerte Ausdauer im Spinnen neuer Geschichten Netze an den Tag. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet zwischen meinem Balkonstuhl und der Mauer Mücken zu fischen. Und das, obwohl ich – nicht aus böser Absicht, sondern aus Vergesslichkeit – schon viermal ihr Netz beschädigt, sie genausooft um Verzeihung gebeten und ihr gut zugeredet habe, ihr Netz woanders, zum Beispiel bei den Tomaten drüben, zu knüpfen. Ich hoffe, sie verhungert nicht! Wo sie doch vor lauter Webereien kaum was zum Fangen und Futtern kommt. Wie gesagt: Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Sisyphus lässt grüssen.

Jetzt sollte ich wohl endlich meinen klugen Artikel zu schreiben beginnen. Bloß weiß ich heute echt nicht, worüber ich schreiben könnte. Über die Schweinegrippe vielleicht? Nein, das lassen wir besser.

Bleibt mir nur ein Tipp: Spinnt Netze, liebe Leute. Ein paar literarische Mücken finden sich bestimmt. Guten Appetit.


schrecklich vernünftig

29. Juli 2009

Eine meiner unzähligen Schwestern, die nächstältere nämlich, kann für einmal nicht mit ihrer Familie in die Ferien fahren. Die Reisestrapazen wären zurzeit zu viel für sie. Im Frühling hatte sie einen schrecklichen Unfall und ist noch immer nicht fit. Darum haben mein Lieblingsbruder und meine Lieblingsschwägerin sie ein paar Tage zu sich eingeladen. Eine gute Gelegenheit für mich, den ganzen Familienhaufen im gleichen Aufwisch mal wieder zu treffen – zumal Lieblingsbrüetsch & Co. näher wohnen als Schwesterherz.

Wenn dann meine Lieblingsnichte noch aufzukreuzen beschließt und mein Lieblingsneffe, seine chilenische Frau, deren Besucherinnen samt Kids sich uns anschließen und wir zur Feier dieses Wiedersehens meinen Lieblingssee Nr. 2 aufsuchen – tja dann! Dann werden die Feste gefeiert, wie sie fallen …  Schließlich taucht noch ein Freund der Familie mit seinen Kindern am See auf. Nun ist die kunterbunte Gästeschar komplett.

Am See

Brüderchen, Schwesterchen und ich, die wir selten in dieser Kombination aufeinander treffen, stiegen, je später es wurde, desto tiefer die Kellerstufen der Vergangenheit hinab. Was da nicht alles zum Vorschein kam und wie unterschiedlich wir unsere Eltern in den verschiedenen Epochen unserer Kinderjahre erlebt haben! Ich staune immer wieder in solchen Augenblicken, dass wir über die gleichen Menschen sprechen und genoss es sehr, wie authentisch wir austauschen konnten. Obwohl, oder vielleicht gerade weil wir so verschieden sind. Besonders Schwesterchen und ich.

Spät nachts, müde, aufgekratzt und zufrieden wieder zuhause angelangt, widerstehe ich der Versuchung

  • meinen Laptop zu wecken und meine witzigen Schnappschüsse auf die Festplatte zu laden
  • meine Erinnerungen und den dreisprachigen Nachhall dieses Abends in eigene Worte zu kleiden
  • meine Gedankenfetzen einzufangen
  • all den unausgesprochenen Sätzen nachzulauschen

Wozu ich diesen Versuchungen widerstanden habe? Um zu schlafen natürlich. Und wozu will Sofasophia (genug) schlafen? Na, um morgen fit zu sein! Fit für die Arbeit!

Schrecklich, so vernünftig zu sein!, notiere ich vor dem Einschlafen. Wo ich doch Lust habe, schreibend über diese komplexen Themen nachzudenken. Und darüber, warum ich es nicht lassen will, die Dinge beim Namen zu nennen. Und über meine Direktheit.  Auch über die Bemerkung von Schwesterherz, dass ich schon immer darauf geachtet hätte, mir nicht in die Karten schauen zu lassen. Stimmt das? Noch immer?

Ich lösche das Licht und öffne meinen Traumweberinnen und Traumspinnern die Türe. Mögen sie aufdröseln, wo mir der Duchblick fehlt.


W? W? W?

28. Juli 2009

W-Fragen sind heikel. Manchmal tun sie sogar weh. Das heisst, nicht die Fragen, tun weh, natürlich sind es die Antworten. Wir stellen unsere W-Fragen, ohne bereit für die Antworten zu sein. Sodass ich mich frage, ob es sich ohne Antworten nicht besser lebt. Im Ungewissen. Im Reich der Möglichkeiten. Ooops! War das nun eine Frage? Und gleich schon wieder eine! Die Antwort schenken wir uns!

Doch da gibt es ein paar andere Fragen, über die ich mir immer mal wieder den Kopf zerbreche. Und ihn mir auch gleich wieder zusammen setze. Doch diese Fragen sind es nicht wert, mit Scherbe statt Kopf herumzulaufen.

Wie sie denn lauten?
> Warum spitzen wir die Ohren, wenn getratscht wird? Warum tratschen wir aktiv oder passiv, obwohl es doch, weiß Göttin, Spannenderes zu reden gibt? Warum lese ich Blogs? Und warum lese ich bei meiner Coiffeuse Hochglanzmagazine mit Hollywood-Dramen? Jedes Mal! <

Müsste die Fragen womöglich anders lauten?
> Was genau interessiert uns an den alltäglichen Peinlichkeiten und Unheimlichkeiten unserer Mitmenschen? Ist es die Erkenntnis, dass die anderen auch bloß Menschen sind? Interessiert uns das Schräge und erleichtert uns die Erkenntnis, dass die andern ebenso schräg in der Landschaft stehen wie wir? Tarieren wir auf diese Weise die Wasserwaage neu aus, die wir hinter unserer Stirn in uns herumtragen? <

Vielleicht besser, die Antwort nicht zu kennen!


Fallobst, handverlesen

27. Juli 2009

Wenn ich – ja, das kommt hin und wieder tatsächlich vor –, eine neue Geschichte aus Fallobst und Handverlesenem in der Presse habe, dreht sich auf einmal alles in mir nur noch um diesen Text. Die Geschichte lebt in mir. Womöglich war sie schon immer da und wartete darauf, von mir wachgeküsst zu werden. Wohl ist sie irgendwie vertraut, ist Teil von mir, doch hat sie eine ganz eigene Persönlichkeit, einen unverwechselbaren Charakter und eine ureigene Energie. Und natürlich hat sie ihre Schwächen. Doch die sehe ich natürlich in diesem Zustand noch nicht.

Schließlich will ich sie erst einmal atmen sehen, sie kichern und furzen hören. Will ihr lauschen, will sie berühren. Ein bisschen sie knuffen. Mit ihr schäkern. Will mit ihr spazieren gehen. Will sie im Wald und in der Stadt erleben. Will ihre Reaktionen sehen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, will schauen, wie sie sich über etwas freut. Und sich ärgert. Wie sie lacht und weint, will ich erleben, hautnah. Kurz und gut: Wenn sich eine Geschichte in mein Leben spinnt und drängt, will ich sie kennenlernen.

Für jede meiner Geschichten brauche ich die Energie der Verliebtheit. Zugegeben, das macht mir manchmal Angst. Ob ich dabei nicht all meine Verliebungsfähigkeiten aufbrauche? Oder sind die unbeschränkt in meinem unterirdischen Lager gespeichert? Na ja, ich habe eigentlich gar keine Wahl, denn ohne diese Energie geht Schreiben bei mir nicht. Ich muss mich bei jedem neuen Text auf diesen Zauber einlassen können. Ohne Kritik vorerst. Mich einlassen auf die Magie des Unbekannten. Auf die Kraft des Neuanfangs.

Und mit jeder Geschichte – ob kurz oder lang – gehe ich den Weg jeder zwischenmenschlichen Beziehung: Anziehung. Begeisterung. Verliebtheit. Allmählich genaueres Hinschauen. Ernüchterung. Kritik. Akzeptieren – zulassen – loslassen. Auseinandersetzung. Reibung … Ob es ein Happy End oder eine Trennung gibt, zeigt sich erst nach einer Weile. Ob sich aus der Verliebtheit in eine Idee die Liebe zu einer Geschichte, zu einem Artikel entspinnen kann, zeigt sich an der Qualität, an der Interaktion, am Miteinander, an der Chemie zwischen mir und ihr.

Was lässt sich denn über eine Geschichte sagen, die schon fast fertig auf meiner Festplatte döst? Happy End, da sie – wie gesagt – fast fertig ist? Oder Trennung, weil ich sie nicht auf die Reise in die Welt geschickt, sondern eingemottet habe? Gibt es da noch ein Dazwischen? Eine friedlich Koexistenz zwischen Ge-Schichte und Schichterin? Eine Freundschaft, die ganz und gar ohne Forderungen ist? Wir erinnern uns: Während des schöpferischen Prozesses war die dichtende Schichterin unglaublich glücklich. Wie es eben nur Verliebte sind. Kann denn die Daseinsberechtigung einer Geschichte – neben der Ehre, geboren worden zu sein– schlicht darin bestehen, Teil dieser komplexen, sinnlichen, simplen Welt der Gedanken und Gefühle ihrer Schichterin während ihres Schreibprozesses zu sein?

Reicht das? Falls und wem nicht, der finde mir einen Verlag, der sich all der Schichten auf meiner Festplatte annehmen möge. Hach. Wäre das schön, wenn an der Lesung in zwölf Tagen eine Verlegerin oder ein Verleger im Publikum säße und sich in mein Novellen-Manuskript „Loch im Eis“, aus dem ich vorlesen werde, verlieben würde.

Doch was dann? Die Welt der Möglichkeiten verlassen und jene der Realität betreten?


an die Leine genommen

26. Juli 2009

Ja, ich weiß, es ist Sommer. Alle Welt tummelt sich draußen. Die Sonne scheint und die Natur ruft  … Doch der Abgabetermin für meinen Artikel rückt unaufhaltsam näher. Außerdem habe ich ein paar rohe Geschichten auf dem Feuer. Die müssen eingeköchelt und ständig mit ein bisschen Wasser abgelöscht werden. Sonst brennen sie an. Und für die Lesung in dreizehn Tagen (schon?) muss ich auch noch den richtigen Text finden.  All das vor den Ferien … es gibt viel zu tun. Es GÄBE viel zu tun …

Deshalb bin ich heute brav zuhause geblieben und sitze bei schönstem Wetter am Laptop. Allerdings so gut wie draußen. Doch was tue ich? Ich surfe! Womit wir wieder beim Thema „zu wenig Zeit“ wären. Zwei Herzen in meiner Brust. Wie der Autor im Buch, das ich lese, habe ich offenbar auch meine ganz eigene Art von Disziplin.

„Der Nichteingeweihte versteht das natürlich nicht. Es wäre ja auch kaum begreiflich zu machen, worin die Disziplin liegt, wenn einer vier bis fünf Stunden des Tages mit ruhelosem Warten im Nichtstun verbringt: aufsteht, von einem Raum in den nächsten wandert, sich irgendwo niederlässt, (…) ein Bad nimmt, zu einem Buch greift (…) Krach schlägt, wenn ein Besuch in „stört“ (…) …inzwischen ist es nachmittags um sechs oder vier Uhr früh – und mit weiterer Zeitverschwendung von zwei Stunden erfolgreich eine oder bestenfalls anderthalb Seiten vollzuschreiben.“

Sándor Márai. Mal wieder. Seit ich seine „Glut“ gelesen habe, schafft es dieser ungarische Autor immer wieder, mich zu packen. Den roten Faden in seinen Romanen sehe ich weniger in den Themen oder Figuren seiner Geschichten, als darin, wie er menschliche Banalität, menschliche Genialität, menschliche Absurdität und menschliche Brutalität, die alle irgendwie ganz nahe beieinander stehen, sich wohl oder übel gegenseitig einatmen und sich zugleich voneinander fortdrängen, in Worte kleidet. So als hörten wir seine Antiheldinnen und –helden beim Denken zu.

In der Bibliothek bin ich neulich fast zufällig über seinen „Hund mit Charakter“ gestolpert. Wie bitte? Márai schreibt einen Roman über Hunde? Jawohl! Und wie! Der Protagonist, genannt „Herr“ – Màrais Alter Ego? –, schenkt der Dame des Hauses zu Weihnachten einen Welpen. Wir schreiben das Jahr 1928. Nein, nun kommt keine süße Hundegeschichte, wie könnte es auch? Es folgt, typisch für den ungarischen Philosophen, eine Geschichte darüber, wie diese kleine Kreatur, dieses wollknäuelige Hundebaby, mit seiner Schamlosigkeit den ganzen Haushalt durcheinander- und den Autoren dazu bringt, eigenes Verhalten zu hinterfragen. So wie es eben nur Márai kann.

„Es fällt ihm dennoch schwer, den Widerstand aufzugeben; die Scham, die ihn überkommt, wenn er sich um ein Tier kümmert, wohl wissend, dass jetzt gerade hundert Millionen Menschen auf der Erde … – doch wie soll er sich mit hundert Millionen Menschen abgeben? Wie soll er sie alle lieben? Wie kann er etwas für sie tun, wenn er keinen einzigen von ihnen kennt? Vielleicht sollte man die Welt doch einfach da anpacken, wo sie einem am nächsten ist. Wo man sie zu fassen bekommt? (…) Und dann, wenn all das erledigt ist und er immer noch einen kleinen Überschuss an Gefühlen, Hingabe und Eifer hat, dann darf er diesen zum Beispiel auch an einen Hund verschwenden …“

Der Tag, an dem der Hund die Leine kennenlernt, ist kein einfacher. Zuerst flippt er beinahe aus …

„Plötzlich hält der Hund im nervösen Herumtrippeln und Wimmern inne. Jetzt hat er begriffen. Er erstarrt vor Entsetzen, und dann sagt er Nein! (…) Es bricht mit so entsetzlicher Wut und Verzweiflung aus ihm hervor, wie es nur aus jemandem hervorbrechen kann, der im Recht ist. Er hat das An-der-Leine-Sein verstanden, begriffen fürs Leben. Nein, das nicht! … kommt der Schrei. (…) … das kann doch nicht sein! Warum auch? Dann wäre ja alles aus, der Sinn des Daseins, kein Ziel mehr, für das es sich zu leben lohnte, da wäre keine Würde mehr und keine moralische Gerechtigkeit und auch kein wahres Gesetz, weder dort oben in den Sternen noch hier unten in der endlichen Welt zwischen Schlaf- und Herrenzimmer! Jetzt hat er begriffen und kann es nicht ertragen.“


Eichen im Teller #1

25. Juli 2009

Hier ist es!
DAS Wörterbuche, wie es im Netz schwimmt. Und meer!
Kurz: DAS Nachschlagerwecker für fasst alle(s)

© by Sofasophia

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Karmaschinken, m, (kein Pl.)
Vegetarische Imitation einer italienischen Spezialität aus Fleisch, die – laut Herstellerfirma – keine schlechten Einflüsse aufs Karma haben soll

Obsteopathie, f –n
Heilmethode für Knochenerkrankungen, die auf der Einnahme von frischen Früchten und den ihnen innewohnenden Vitaminen basiert

imprämiert, adj.
ausgezeichnet wasserdicht

Sündergie, f, -n
vereinte Anstrengungen innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter, um den Lastern des Lebens abzuschwören, zum Beispiel Weight Watchers oder ähnliche Unsittenwächtereien

SofastIn, m/f, -nen
spitzfindige/r Sofa(be)sitzerIn

Schulle, f, -n
Pausenbrot für die Schule

Bankhok, m, -e
Sitzgelegenheit in einer asiatischen Stadt. Wird auch für Menschen, die sich in einer Geldanstalt dieser Stadt an ihren Schreibtisch setzen, verwendet

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Die Idee, so mit Wörtern zu spielen, ist nicht neu. Auch gibt es mindestens ein Blog, das solche Wörter gezielt sammelt … den Link habe ich grad nicht soeben gefunden! Doch die Wörter hier,  im neuen Kapitel „Eichen im Keller“,  sind alle auf meinem Mist gewaschen gewachsen …

Ich bitte euch herzlich, meine Wortschöpfungen – meinen Kompost? – als mein geistiges Eigentum zu respektieren … thanx!


Absurd?

24. Juli 2009

Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

Na ja, solche Gedanken sind – jedenfalls für mich – im Grunde völlig müssig, absurd sogar, denn Schreiben ist ja etwas, das ich fürs Leben gerne mache 🙂

Tatsache ist, dass meine Lebenszeit zurzeit so blödsinnig knapp wirkt, so dicht, so unfassbar, dass es fast weh tut … Je mehr ich darüber brüte, desto schneller vergeht sie, meine Zeit. Wie ätherisches Öl. Wie ein Duft. Schaue ich am Abend zurück, bedaure ich, wie uneffizient ich doch war … Habe – sagen wir mal – meine Zeit mit Bloggen vertan und über die Zeit sofasophiert, statt dies und das und anderes zu tun …

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.

Aktuell jedoch bin ich lebenshungrig. Ich will leben und erleben. Ich will sehen und verarbeiten. Ich will aufnehmen und schreiben. Und ich will meine Schreibe teilen.

Leben ist vorläufig. Voller „Vielleicht“ und voller „Womöglich“. Voller Möglichkeiten. Doch Möglichkeiten sind nur solange faszinierend, wie sie Möglichkeiten sind. Werden sie möglich gemacht, will heißen, werden sie ins Leben gerufen, sind sie nicht mehr möglich, sondern real. Und lange nicht mehr so faszinierend, wie damals, als wir ihnen nachjagten.

Ist etwas erst real, glitzert es nicht mehr. Oder doch? Ich will meine Realität immer wieder umträumen. Doch um sie umträumen zu können, wäre es noch gut, zu wissen, was ich will …

Fürs Erste reicht mir vielleicht ein bisschen Zeit, um diese Frage womöglich beantworten zu können. Dream on, Sofasophia!

Nazareth lässt grüssen!