gefüllter Becher

Von der Stille geweckt worden. Sonntagmorgenstille.
Viel zu früh.
Kurze Nacht.
S. und ich haben bis halb zwei gebechert. Gebechert und über das Leben sofasophiert.

Ernten wir, was wir säen? Wie? Wann? Und ist, was uns geschieht, gerecht? Karma, Krankheiten, Schicksalsschläge, Verluste, Erfolge? All die Auf- und Ab-Bewegungen des Lebens – Ebbe & Flut – was haben sie mit mir zu tun? Woher kommt Inspiration, woher Talent? Woher und vor allem wozu?

Sind wir jemandem etwas schuldig, wenn wir ein Talent haben?

Wenn ich das Leben meiner Freundin S. betrachte, denke ich, dass wir alle wenig Ahnung haben, was Glück, was Liebe, was Gerechtigkeit ist. Und was Liebe für einen Preis hat.

S. war über zwanzig Jahre glücklich mit ihrem Mann zusammen. Ich meine wirklich GLÜCKLICH. Trotz Krisen. Zwei Freaks, die ihr Leben gemeinsam woben. Sie führten eine spannende Ehe und haben zwei tolle Kids! Vor einem Jahr wurde B. von einem Bus überfahren und starb innerhalb weniger Tage. Ist es gerecht, da S. doch ihr Mass an Schönheit und Glück bereits hatte? Gibt es davon für alle gleich viel und wäre das gerecht? Ist gleich viel gerecht?

Kommt das beste noch? Wenn ja, was?  Warten oder endlich leben?

Bilder in meinem Kopf.
Schieben sich nebeneinander, hintereinander, durcheinander.
Werfen sich wie Dias übereinander an die Wand.
Farben. Gerüche. Schatten.
Unscharf.
Ungefähr.

Irgendwo in mir ist Schmerz.
Und irgendwo in mir ist Staunen, dass wir noch immer da sind, S. und ich.

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14 Responses to gefüllter Becher

  1. Rébecca sagt:

    Meine Liebe!
    Wunderschön gestaltet, dein Blog. Eindrücklich wie immer deine Worte, Geschichten, Stimmungen.
    Säen und Ernten, Ursache und Wirkung – viele nennen dies ein kosmisches Gesetz. Ich frage mich, ob es überhaupt so etwas wie eine Ursache gibt. Auch Un-/Gerechtigkeit ist etwas sehr Subjektives, oder nicht? Und hat Liebe wirklich einen Preis? Für mich ist sie nicht käuflich – also somit gratis. ;-))

    Herzlich, R.

  2. nina sagt:

    Käuflich ist sie nicht, die Liebe. Vielleicht ist hier Preis im Sinne von „Einsatz“ gemeint? Oder „erster Preis“?

    Ob es Gerechtigkeit gibt? Säen und Ernten klingt linear. Möglicherweise ist das Ganze viel komplexer?

    Wer weiss es schon wirklich? Ich nicht!

    Herzlich, Nina

  3. sofasophia sagt:

    Danke für die Feedbacks. Ich bin noch am Rausfinden, wie ich machen kann, dass die Kommentare direkt freigeschaltet werden … tja, aller Anfang ist schwer. Oder so.

  4. moosfrau sagt:

    sehr schön dein neuer blog,schön auch Kommentare schreiben zu dürfen…

    ich lasse mal grad fließen, so wie es kommt, so wie deine Fragen in mir weiter klingen:

    „Ist das Leben gerecht?“ – wie sollte es? Das Leben ist das Leben, ist das Leben, ist Frühling, Sommer, Herbst und Winter, ist Wüste, ist Ozean, ist Vielfalt, ist Leere, ist Einsamkeit, ist Zweisamkeit, ist-
    Menschen sind auch Leben, Menschen eben sind gerecht, sind ungerecht und sie sind, sind auf ihren unterschiedlichen Pfaden, die sich berühren, die wieder auseinander driften und sie sind- du dort, ich hier, wir berühren uns, immer wieder und da ist Dankbarkeit, da ist Freude, da ist Inspiration, da ist Glücklichsein für Menschen, wie dich.
    Das Maß der Dinge, das ist Mensch-
    der Zweifel, das ist Mensch-
    die Liebe, das ist Mensch-
    das Suchen und Finden, das Verlieren – sich und andere, das alles ist Mensch und Leben und weil es ist, wie es ist, ist es SO-
    das So-Sein im All-eins-sein-
    gerade erfahren, morgen vergessen-
    es ist ein weiter Weg zum Menschsein-
    aber wir sind es,
    du bist es,
    ich bin es,
    von der Stunde unserer Geburt an- verschüttet,
    zugekleistert,
    freischaufeln,
    weitergehen
    und frage nicht nach dem Sinn, den es nicht gibt-
    Leben nichts als Leben
    nicht mehr und nicht weniger
    so einfach ud doch so schwer
    weil wir es so gerne anders hätten,
    dass uns der oder die Andere erlösen möge,
    glücklich mache-
    aber nein, eben so geht es nicht-
    Jetzt sein – So-sein
    und das ist es dann auch schon.

    alles Liebe
    Moosfrau

  5. sofasophia sagt:

    @frau vom moos
    ganz einfach wäre es, das leben. und komplex ist es auch, das leben.

    sowohl als auch. 😉

    wie im vorherigen posting („so schön“) angedacht: „Wie langweilig das Leben wäre, wenn es keine Fallmaschen gäbe!“

    wenn und wäre … 🙂

  6. Rébecca sagt:

    …ganz einfach komplex??? :-)))

    Wünsch dir Eschönsdägli, *uma*, R.
    Freu mich auf die Fortsetzungen! Und ich freu mich, dass du die Natur so geniessen kannst.

  7. Nachdenklicher erster Kommentar – die Antwort wird nicht einfach sein. Wir könnten nämlich auch fragen: Verdient ein Verbrecher, dass die gleiche Tat, die er an einen anderen begangen hat, an ihn begangen wird? Macht sich dabei aber der Vollstrecker der Tat, sofern er nicht das Opfer ist, selbst schuldig?

    • Sofasophia sagt:

      Was ist Schuld und wem sind wir etwas (und wenn ja, was?) schuldig?
      Dass jemand, der mich verletzt – wissentlich oder unwissentlich – den gleichen Schmerz (zum Zweck der Erkenntnis, nicht um ihn zu verletzen) auch erleben soll, denke ich oft.
      Nur würde er/sie es womöglich gar nicht gleich erleben.
      Schuld und Verdienst sind zwei sehr abstrakte, sehr individuell und unterschiedlich gefüllte Begriffe – abhängig von unserer Prägung.

      • Ich gebe dir Recht. Doch ich für meinen Teil würde nur ungern andere meinen Schmerz fühlen lassen – zwar habe ich oft das Bedürfnis gehabt, die Person, die mir Leiden verursacht hat, zu sehen doch nie ihr gewünscht das gleiche Leiden zu erleben.

      • Sofasophia sagt:

        Kommt wohl auf das Thema drauf an. Ich denke das ja nicht immer (zum Beispiel wünsch ich niemandem, dass sein Kind stirbt – was ich erleben musste). Eher bei alltäglichen Unachtsamkeitsverletzungen denke ich so was wie oben geschrieben. Dabei gehts nicht um Racheleid sondern um Einsichtermöglichungsleid.
        So irgendwie.

      • Ich weiß schon was du meinst. Mir geht es vor allem an den Gedanken, dass ein vergeltes Leiden nicht bedeutet, dass das Leiden auf der Welt weniger geworden wäre: Nein, das zurückgezahlte Leiden vermehrt nur den Schmerz der Welt!

      • Sofasophia sagt:

        Wer redet denn von zurückzahlen?
        Darum geht es mir nicht. Eher darum, das Verständnis füreinander zu mehren. Leid anderer besser zu verstehen. So irgendwie.
        Unter „vergeltes Leiden“ kann ich mir nichts vorstellen.

      • Ah, dann war ich wohl teilweise auf dem Holzweg – du meinst also wir sollten eher erlernen, was es heißt in den Schuhen eines anderen zu stecken ohne gleich, das gleiche erleiden zu müssen?

      • Sofasophia sagt:

        Genau so. 😊
        Danke fürs Mit-Nachdenken.

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