Vorhang

26. März 2011

Frühmorgens. Schon wach. Der große Tag. Am Nachmittag kommen die Umzughelfenden und wir füllen gemeinsam den LKW, den J. am Montag vollgepackt über die Grenze fährt. Doch heute und bis dahin ist noch viel zu tun.

Heute Abend dann dies hier, lange Wochen vorfreudig erwartet:

Büne ist Meccano Destructif Commando. Zwei Monate lang. Und heute in meinem Lieblingskulturraum. Was für ein Schlussbouquet!

Mehr dazu unter: http://www.buenehuber.ch/

Doch vorher heißt es in die Hände spucken :-)


Luxus und so Sachen

17. Dezember 2010

Bevor ich mich an meine weitere Überarbeitungsarbeit am Loch im Eis mache, die ich zurzeit mit disziplinierter Konsequenz oder konsequenter Disziplin betreibe und vor Mittwoch abschließen will, fällt mir mein Blog mal wieder ein, das verwaiste. Fast verwaiste, jedenfalls.

Natürlich habe ich es nicht vergessen. Im Alltag denke ich ständig: Das blogge ich. Dies muss ich in Worte gießen. Das muss ich mir merken. Aber eben.

Die Zeit. Die Konzentration. Die Tagesform. Die Disziplin. Die Faulheit. Alles Faktoren, die je nach Verhältnis zueinander und von ihrer Position innerhalb der Gleichung dafür sorgen, dass das Produkt gleich Null ist. Ist eigentlich egal, wenn ich nicht blogge. Ja, wenn dann genau noch dieser Gedanke dazu kommt, kann nix entstehen, kann kein Gedanke Text werden.

„Meine Ideen können gar nicht alle aus meine meinem Kopf raus“, sagt Patrick Zeller. Hab ich heute in einem Interview über den vielseitigen Musiker gelesen. In der Kulturagenda vom 16. – 22.12. Das seien allerdings Luxusprobleme, fügt er gleich an.

Ja, recht hat er, denke ich. Realistisch betrachtet sind die meisten Themen, über die wir uns den Kopf zerbrechen, sogar die meisten Probleme, die wir lösen oder zumindest wälzen, eben dies: Luxusprobleme. Ihre Lösung oder Nichtlösung bedroht weder unser Leben noch unsere Gesundheit. Vielleicht bereitet das eine oder andere Unannehmlichkeiten, kleine Einschränkungen, ein bisschen Stress, Herzschmerz oder was weiß ich. Und ob ich etwas davon blogge oder nicht, geht 99,99999% der Menschheit am A… vorbei.

Ist Schreiben und Bloggen, ist Kunst und Kultur Luxus?, frage ich mich und lese weiter in der Kulturagenda. Auf der gleichen Seite finde ich einen Klartext von Thomas Beck. Es geht um die kulturelle Frühförderung.

Ich zitiere: „Erstens haben Kinder nach einem Jahr Musikunterricht einen Intelligenzquotienten, der acht bis neun Punkte höher ist als ohne Musiktraining. Zweitens: Kinder mit Musikunterricht haben ein besseres verbales Gedächtnis. Drittens: Musizierende Kinder können komplizierte Sätze besser verstehen. (…) Leistung, sagt Lutz Jäncke, sei immer ein Produkt von „Wollen mal Können mal Möglichkeit“: Ist ein Faktor gleich null, sei auch das Resultat gleich null. Kinder also, die keine Gelegenheit haben, mit Kunst in Kontakt zu kommen, sind damit von den vielfältigen positiven Sekundäreffekten ausgeschlossen. Kulturelle Bildung ist wahrlich kein „Nice to have“. Ich frage mich vielmehr, wie lange wir es uns noch leisten können, durch eine zu geringe Stimulierung kindlicher Gestaltungslust in der Schule kreative Potenziale ungenutzt zu lassen. Potenziale, die die Gesellschaft der Zukunft auf allen Ebenen so nötig hätte. Das ist die wahre Ressourcenproblematik hinter der kurzsichtigen Finanzdebatte.“ (Zitat Ende. Kursivsetzung durch mich).

Hat da wer was von Luxusproblemen gesagt?

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EDIT: Heute, es ist der 19.12. 2010, bei Luisa Francia auf salamandra.de ein ganz besonderes Plädoyer für Kunst gefunden:

“wie muss es menschen gehen, deren kindheit eingeschlossen ist in alltagsabläufe und wirklichkeitsvorstellungen, die mit dem eigenen leben absolut nichts zu tun haben! mich hat nicht widerstand befreit, sondern die konsequente treue zu meinen eigenen bildern, meinen überzeugungen, meinen wahrnehmungen. kunst hat mein leben gerettet.”

Quelle: Luisas Internettagebuch-Eintrag vom 19.12.2010 um 12:34:25

(Kursivsetzung durch mich.)


twittern

18. Oktober 2010

Freundin M. hat mir mal wieder einen Brief geschrieben. Ich liebe es, wenn ich den Briefkasten öffne und auf einem Umschlag ihre schöne Handschrift erblicke. Ja, ich kann es kaum erwarten, oben in der Wohnung anzukommen und den Brief zu öffnen. Ganz behutsam. Diesmal flattert mir ein Zeitungsartikel entgegen. Den Brieftext – oder müsste ich sagen den Kartentext? – schrieb M. auf eine witzige Werbekarte mit Kühen drauf. Im Zug, im Flug steht als Absender hinter der Adresse – geschrieben auf der Fahrt zum Flughafen Genf. Doch dies ist eine andere Geschichte.

Ich entknittere die Zeitungsseite sorgfältig, während ich den ersten Löffel Kürbissuppe genieße. Aha, Tagesanzeiger Zürich. Sofort klopft mein kleines Heimwehherzchen schneller. Oben ein Cartoon von EVA, vom Team Jaermann und Schaad. Hach, I love Eva! Unter drunter dann eine Buchbesprechung, eine ganz besondere …

Echt, ich glaube, dieses Buch muss ich mir schenken lassen! Während ich meine wunderbare Suppe löffle, verschlucke ich mich beinahe vor Lachen. Mein Tag ist gerettet!

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Ich zitiere:

Heute Nacht vom Büro geträumt. Weitere sechs Überstunden notiert. @meterhochzwei

«Ich lass die Freundschaft jetzt still & leise auslaufen», sagt die Frau im Tram in ihr Handy. «Aha», schweigen alle zurück. @kumullus

Idee für «Wetten dass»: 50 Leute spielen ihren Handyklingelton vor und ich errate ihren Schulabschluss. @fitness_oli

Apotheke, Dönerladen, Apotheke, Apotheke, Dönerladen, Bestattungsinstitut. Ich fange an, Zusammenhänge zu sehen. @freval

Dein engster Freund ist, wer deinen Browserverlauf löscht, nachdem er dich tot vor dem Rechner gefunden hat. @UntoterOstgote

Die Hälfte seines Lebens scrollt der Mensch vergebens. @bebal

Mein Arzt meint, ich hätte Wahrnehmungsstörungen. Aber ich seh das ein bisschen anders. @freval

Kucken, was die andern aufs Band legen, ist ein bisschen wie Twitter. @kosmar

… ach, lest selber! Das große Gezwitscher – Buchbesprechung im Tagesanzeiger vom 15. Oktober 2010


Tiefe Narben

16. Oktober 2010

Petra Ivanovs fünfter Flint/Cavalli-Krimi hat mich seit gestern Mittag bis tief in die Nacht gebannt. Kaum erwacht, gings weiter mit lesen. Dafür ging nix anderes mehr. Weder Internet noch sonst was interessierte mich mehr. Sogar in die Badewanne kam das 538 Seiten dicke Buch mit. Wozu Erkältungen doch gut sind!

Und jetzt? Jetzt ist es ausgelesen und ich kann endlich wieder Mails lesen, bloggen, putzen, einkaufen und andere ganz normalen Sachen machen.

Eine genial geschriebene, unglaublich spannende und aufwühlende Geschichte um einen ganz normalen Psychopathen, den Duft nach Liebe und die Sehnsucht nach Sühne. Eine Geschichte auch über Misstrauen, Vorurteile und wahre Freundschaft.

Lesen!

für mehr Infos: hier klicken.


Gemeinsam

13. Oktober 2010

Da drin hats ganz viele tolle Bilder:

Noch an zwei Wochenenden könnt ihr in Grandcour (VD) die erste ColArt-Ausstellung der Schweiz genießen.
Immer samstags und sonntags von 15 Uhr bis 19 Uhr. Inklusive Malaktion. > 10. 10. – 24. 10. 2010

Hier klicken, um mehr über die Galerie de Grandcour (VD) zu erfahren.

Das Bild, das wir am Sonntag vor zehn Tagen an Irgendlinks Ausstellung angefangen haben, sieht inzwischen schon ganz anders aus. Nämlich so:


ziemlich farbig

28. September 2010

Noch bin ich nicht ganz in meinem Berner Alltag gelandet. Noch klingen die vielen Begegnungen vom Wochenende nach …

Zum einen war da das zweite Wochenende der Ausstellung von Irgendlinks Zwb-Andorra-Reisen aus den Jahren 2000 und 2010. Zeitgleich fand eine ColArt-Malaktion von und mit dem Begründer MK statt … Gleichsam ein Puzzlestück auf dem Weg der Renaissance dieser vergessenen Kunstrichtung.

Viele Gespräche mit Bekannten und Unbekannten in Irgendlinks großem Atelier. Da und dort werden Weisheiten ausgetauscht, wie die Welt, die Kunst, das Leben auch noch betrachtet werden kann. Die Kunstmalerin MB meinte:
„Auf der einen Seite gibt es da ein paar Dinge, die ich sehr gut kann*. Und auf die bin ich irgendwie stolz … Doch hochmütig kann ich dabei nicht werden, denn mir fallen immer rechtzeitig jene Dinge ein, die ich nicht gut kann. So bleibe ich auf dem Boden. Wenn ich jedoch etwas tue, was mir nicht so liegt, erinnere ich mich an jene Dinge, dich ich gut kann. Auch so bleibe ich auf dem Boden.“

Wie da die Gespräche zwischen Kunstschaffenden hin und her fließen, fasziniert es mich von Neuem, wie wir Menschen ticken. Alle buhlen wir. Alle stellen wir uns selbst dar. Alle sind wir die Weber und Künstlerinnen unserer eigenen Lebensfäden und versuchen, das bis hierher Erlebte, Erfahrene, Erlittene, Erreichte zu schönen, aufzuwerten, zu nutzen und auf unseren Wert hinzuweisen. Verblüffend, wie ähnlich wir uns alle da sind. Ob bekannt oder NoName – wir alle tun es!

Und wir alle sind nur ein kleines Stück im Ganzen. Ein bunter Fleck auf der Leinwand, die Welt heißt. Wir alle tragen durch unseren Beitrag ein bisschen zum großen Bild bei. Ein Bild, von dem wir noch keine Ahnung haben, wie es aussehen wird, wenn es vollendet sein wird.

Das ColArt-Bild vom Sonntag:

Am Abend – nach zwei satten Ausstellungs- und Aktionstagen – besuchen MK, J. und ich einen Künstler in dessen Werkstatt. Wo nebenbei dieses Bild hier entsteht …

Irgendlink betrachtet die Welt durch die Brille eines Außerirdischen … Was er dabei erkannt hat, hat er niemandem verraten.

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*Anmerkung der Blogschreiberin: Malen, Dichten und Unterrichten zum Beispiel …


schon zwei Jahre – oder erst?

18. September 2010

Seit zwei Jahren sei sie hier. Sie und die beiden Kinder. J.s Augen leuchten. Auch die zwei Kleinen strahlen mich an. Wunderschöne Augen haben sie. Alle vier. Glänzend. Herzlich. B., das Mädchen, das rechts neben mir sitzt, sagt, sie sei sechs und streckt mir zur Illustration sechs Finger entgegen. Sie spricht ziemlich gut deutsch. Kein Wunder, denn sie geht ja in den Kindergarten. Ihr Bruder sei dreieinhalb, klärt sie mich auf. Wieder mit Fingern. Sie, die Große, wird bald einmal die Übersetzerin der Familie sei. So ist es oft. Im Flüchtlingszentrum, wo ich früher gearbeitet hatte, waren es fast immer die Kinder gewesen, die eine Brücke zwischen ihren Eltern und dem neuen Land Schweiz mit seinen Menschen und Behörden hier schlugen. Diese Schweiz, dieser vermeintlich sichere Ort. J. und V. erzählen mir von einer Explosion, die am Vormittag in ihrer Heimat Sri Lanka zweiundsiebzig Menschen das Leben gekostet habe. Zuerst glaube ich, es sei ein Attentat gewesen.

Der Krieg ist doch vorbei …, sage ich.
Nein, kein Krieg, Chemie …,
sagt V.. Mit Gesten illustriert er einen Knall. Beine weg, Arme weg. Sein Deutsch ist weniger gut als das seiner Frau, obwohl er schon ein Jahr länger hier ist. Er studiere jetzt intensiv deutsch, bei ihr, und zeigt auf S., die links von mir sitzt. Eine unserer Deutsch-Kursleiterinnen. Auch als er mir vom Tod seines Bruders und seiner großen überall verstreuten Familie, lächelt er. Ein wenig. Sein offenes Lachen mit den leuchtendweißen Zähnen im dunklen Gesicht täuscht dennoch nicht über die leise Trauer hinweg, die von ihm ausgeht. Ob sie zurückkehren möchten, frage ich, wenn das Land wieder friedlicher geworden ist. J. zögert keinen Moment und sagt ja. Um gleich darauf zu verstummen. Sie schaut ihre zwei Kinder an, zuckt die Schultern und sagt:
Hier ist vieles besser. Gute Schulen. Neue Freunde. Der kulturelle Garten, wo ich mitmache.

S., die Kursleiterin, stammt aus dem Schwabenland. Der Liebe wegen ist sie in Bern. Wir diskutieren die Schwierigkeit, eine fremde Sprache zu erlernen. Auch ist eine Hochsprache noch lange keine Alltagssprache. Ich erinnere mich, dass ich mal bei einem Besuch in der Pfalz von einer Bekannten J.s folgendes zu hören bekam:
Ach, so klingt also schweizerdeutsch!
Na ja,
antwortete ich darauf, das ist eigentlich hochdeutsch. Höher kann ich nicht. Okay, das sagte ich zwar nicht, aber ich dachte es.

Beim Abschied küsse ich J. herzlich auf die Wangen. Ihre würdige Ausstrahlung und ihre klare Haltung machen es mir und uns leicht, sie und ihre Familie in unserem Land willkommen zu heißen. Das Privileg, in einem Land wie der Schweiz geboren worden zu sein, ich schätze es erneut und es beschäftigt mich, während ich mit dem Service-Stundenlöhner H., den wir immer mal wieder für kleine handwerkliche Aktionen anfragen, Teller abräume. Er sei Glasbläser gewesen, sagt er. Im Iran. Hier habe er noch keine Arbeit. Er möchte gerne. Und er ist geschickt. Aber hier ist er fremd. Zwar in Sicherheit, doch fremd. Was er nicht ausspricht.
Bitte ruf mich wieder an, ich helfe gerne, sagt er beim Abschied.

All die Begegnungen des gestrigen Abends – ich habe sie genossen. Auch dass an unserem Jubiläumsfest alles rund gelaufen ist, freut mich sehr. Zweimal Scherben gab es, doch die haben offenbar Glück gebracht. Die ersten kreierte ich. Eine der Blumenvasen – samt Blumen –, die ich in mein knallvolles Sternchen* tragen wollte, rutschte mir aus der Hand. Mist! Eine Leihgabe des Blumenladens.
Das macht nichts, sagte die Floristin. Das kann vorkommen. Leid tat es mir trotzdem.

Die zweiten Gläser kaputtete Kollegin G. mit ihrer Tasche, als sie am Büffet entlang schleichen wollte. Mitten im multikulturellen Märchen, das während des Apéros erzählt wurde. Genau in jenem Moment, als es im Märchen einen lauten Knall gab. Wie passend!

Beim Abschied bedanken sich alle möglichen Leute – Mitarbeitende ebenso wie Geladene – bei mir für die tolle Organisation. Mein Scheff, seine Liebste und ich sind die letzten. Wir bringen die Sachen ins Büro zurück. Aufgeräumt wird aber erst am Montag.

Danke!, sagt mein Scheff, ohne dich wäre ich verloren gewesen.
Gleichfalls!,
sage ich. Wir grinsen.

Ach ja, Grappa gab’s diesmal keinen. Nein, nicht weil ich ihn versteckt habe. Wie auch! Der Scheff hat schlicht vergessen, welchen zu kaufen. Kann vorkommen. Und dass das die einzige Panne war – neben der Scherben –, ist doch auch was!

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* Sternchen nenne ich mein japanisches Auto mit dem englischen Namen. Es heisst eben so, auf Deutsch …


A little Byte …

25. August 2010

Meine neue externe Festplatte, die ich zum Schnäppchenpreis im Internet gefunden habe, fasst sage und schreibe anderthalb Terabytes. Sind anderthalb Millionen Millionen Bytes. Ein Byte mit zwölf Nullen. Nein, ich will hier weder über die Wunder der Technik schwärmen noch über unseren Machbarkeitswahn lamentieren …

Nur dies: wäre ich ein kleines Byte, eins ganz ohne Nullen hintendran, vielleicht der Splitter einer klitzekleinen Textmail oder einer Datei wie dieser hier, würde ich mich jedenfalls auf dieser riesigen neuen Festplatte schrecklich klein fühlen. Bin aber nur ein klitzekleiner Mensch, dafür auf einer riesigen, uralten Kugel, doch auch hier fühle ich mich manchmal schrecklich klein. So zoome ich bisweilen von Weitwinkel auf Tele. Wähle einen Ausschnitt. Wähle ein Stück Erde, das mir Geborgenheit gibt. Wähle ein paar Menschen, ebenfalls klitzekleine Bytes auf diesem grünblaugrauen Rund hier, und schon fühle ich mich wohl.

Damit sich nun die ersten kleinen Bytes auf meiner riesigen leeren Platte nicht so einsam fühlen, schiebe ich nun laufend neue Daten auf das Ding. Alle meine Texte haben es sich dort nun bequem gemacht. Sie wurden von der alten, hundertelf Gigabytes fassenden Festplatte auf die neue verrückt. Verrückt, jawohl. Verrückt auch, dass Texte wie dieser hier, auf einem Textdokument wie Word entworfen, weniger wiegen als dreißig Kilobytes. Ein ganzes dickes Buch? Sagen wir mal fünfhundert Kilobytes. Nicht wirklich viel …

Und was wiegt eine Seele? Einundzwanzig Gramm geht das Gerücht. Und heißt auch ein Lied der Ochsen. Meine seit vielen Jahren liebste Berner Rockband wagt am Samstagabend das einmalige Experiment, mit dem Berner Symphonieorkester auf dem Bundesplatz gemeinsame Sache zu machen. Auch der wunderbare Song „21 Gramm“ werde klassisch interpretiert. Opulent und pathetisch klinge er, meinte Frontmann Büne in einem Interview, das ich heute in der Berner Kulturagenda auf der Titelseite gelesen habe ( >www.kulturagenda.be > Ausgabe Nr. 34).

Das besagte Lied, eben jetzt von A nach B verschoben, wiegt immerhin vierkommasiebendrei Megabytes. Ob das mehr oder weniger sind als einundzwanzig Gramm, weiß ich leider nicht. Klingen tut das Ganze irgendwie so, ist aber leider ziemlich ne miese Aufnahme …


gefunden II

5. August 2010

Suchen und finden sind zwei Bewegungen, die mich zurzeit sehr beschäftigen. Kranksein bringt mich zum Innehalten. Wo stehe ich? Wohin bin ich unterwegs? Was will ich? Was will ich wirklich? Was wirkt?

Als ob da nicht schon genug zu suchen und zu finden wäre, hat mich Roswitha neulich angefragt, ob ich – mit anderen – bei einer der geplanten Eröffnungsaktionen des (ersten!) Berner Geschichtenladens “1002 Geschichten” etwas aus meinem Fundus vorlesen würde. Am 14. September. Zum Programm-Flyer hier klicken. Nach längerem Überlegen und Zögern – hatte ich doch beschlossen, einstweilen solcherlei zu lassen – sagte ich zu. Ich würde ein paar Texte aus dem Blog vorlesen, ließ ich sie wissen. Bloß was? Zum Glück habe ich ein nicht-virtuelles Textarchiv angelegt und das lese ich, ausgedruckt, zurzeit. Kranksein hat auch Vorteile. Gestern, im ärztlichen Wartezimmer, diesen Text hier gefunden.

“Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

(…)

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.”

(Quelle:  “absurd” by Sofasofphia)

Am Abend diesen meinen Lieblingsfilm schauen, war irgendwie naheliegend. Heulen tu ich dabei jedes Mal als sähe ich ihn zum ersten Mal …


gefunden I

5. August 2010

Auf der Suche nach mehr Infos zu diesem Konzert hier, das ich mit ein paar lieben Leuten hören und sehen will  …

(Hier klicken zum OrignialPDF des Berner Symphonieorchesters
> dort  S. 23 anscrollen)

… bin ich über diesen Video hier gestolpert. Ein Sommer ohne die Ochsen wäre hart, doch ein Frühling ohne W. Nuss aus Bümpliz undenkbar … auch wenn sie hier nur in der Refrain-Melodie anwesend ist. Hörenswert!


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