The (Happy) End: wie?

30. März 2011

Auf der Fahrt nach Z., wo ich seit gestern Abend wohne, war er plötzlich da, der Titel dieses letzten Artikels meines Blogs:
Happy End.

Und jetzt? Vorhang bitte. (((Er schliesst sich gaaanz langsam …)))

Wie habe ich doch neulich geschrieben?

Ein weiterer Band meiner Lebensgeschichte geht seinem Ende entgegen. Die letzten Seiten schreibe ich. Heute. Morgen. Übermorgen. Absehbar. Das Finale, mein Happyend in Bern.

Damit geht auch dieses Blog hier zu Ende. Ich bedanke mich lieb und herzlich und verneige mich dankbar vor euch, meinen Leserinnen und Lesern, den stillen ebenso wie den kommentiert-habenden … Danke!!! Winkewinke, machts gut und alles Gute!

(((Kunstpause …)))

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Ja, aber? Ja! Aber natürlich blogge ich weiter!

Und zwar genau hier und ab sofort: sofasophia.wordpress.com

Bis bald im neuen Theater?


Ein letztes Mal

29. März 2011

Es war einmal eine Frau. Eines Morgens, als sie erwachte, war das Zimmer, in dem sie geschlafen hatte, erstaunlich leer. Da waren nur die Futonmatratze mit ihrem Bettzeug und zwei Taschen mit ihr im Zimmer.

Die Wände waren schneeweiß und rochen nach Neuanfang, erzählten zugleich Geschichten aus sechs Jahren Leben. Erzählten erfreuliches, beklemmendes, imtime Details und Absurditäten. Erzählten von den Menschen, die diese Räume besucht hatten und an deren viele Namen sie sich nicht erinnern konnten. Im Gegensatz zu der Frau, die – wie am Ende einer Wanderung angekommen – erst im Rückblick begriff, wie kostbar diese lange Wanderung und die vielen Begegnungen unterwegs gewesen waren. Anstrengend und erfrischend zugleich.

Natürlich erinnerten sich die Wände auch an all die Tränen und Krisen, an all die Tiefpunkte und schier unüberwindbaren Hürden, denen die Frau in den Jahren unter ihrer Obhut gegenübergestanden hatte.
Wir Wände sind neutral. Wir schützen und umgeben, flüstern sie ihr zu, und wir beengen und beschränken.

Ihr seid wie mein Hab und Gut, sagte die Frau. Es macht mich reich und unfrei zugleich. Es gibt mir Geborgenheit und Sicherheit, aber es ist zugleich ein Klotz am Bein.

Das leere Zimmer nickte. Das fühlte sich so an, als schaukle das Bett. Wie ein Boot.

Die Reise geht weiter, sagte die Frau. Ich danke dir, für all das, was du mir warst. Auch für all das, was du mir nicht sein konntest, weil es nicht deine Aufgabe ist, danke ich dir.
Danke fürs Zuhören. Ich wünsche dir und meinem Nachfolger und meiner Nachfolgerin ein ebenso schönes Miteinander wie wir es hatten.

Der laute Nachbar aus dem obersten Stock lärmt durchs Treppenhaus. Halb sieben. Nach ihm könnte sie die Uhr richten. Konnte sie. Imperfekt. Sie wird ihn nie mehr hören. Kein Morgen mehr. Nicht hier.

Sie wird aufstehen, ein letztes Mal, und ihre Sachen packen. Ein letztes Mal frühstücken. Ein letztes Mal Altpapier und Kehricht an den Straßenrand stellen. Danach ihr Auto füllen, bis an den Rand, mit Staubsauger, Kühlbox und Futon.

Heute Abend wird sie sich an einem andern Ort in einer andern Welt in ein anderes Bett legen.


Ausblick

28. März 2011

Noch da, ein bisschen, noch nicht dort, aber bald.

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Bild: iDogma-Art -
aufgenommen mit Hipstamatic, bearbeitet mit Diptic, PS Express und Pic Grunger, veröffentlicht mit WordPress.


Finale

21. März 2011

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Denke an alles. An nichts. Schaue die leeren, weißen Wände an. Spüre die Unabänderlichkeit.

Erinnerungen ans Wochenende. Letzte Besuche vor dem Umzug. Freundinnen. Freunde. So wird es niemals mehr sein, so, wie es bis jetzt war. Unwiederbringlich vorbei.

Ein weiterer Band meiner Lebensgeschichte geht seinem Ende entgegen. Die letzten Seiten schreibe ich. Heute. Morgen. Übermorgen. Absehbar. Das Finale, mein Happyend in Bern. Und da ist Vorfreude auf das neue Kapitel im Lebensbuch.

Be continued, steht auf der letzten Zeile, à suivre.

Das neue Buch liegt bereit. Bereits sind die ersten Seiten skizziert.

Doch halt, da gibt es ja gar keinen Plot, das ist richtiges, gelebtes Leben.

Ich schreibe mein Drehbuch wohl mit, doch da sind so viele Miteinflüsse, über die ich keine Macht habe. Nicht auf Gefühle, nicht auf Fakten. Aufs Wetter ebenso wenig wie auf Stimmungen anderer, auf Straßenverkehr oder auf Mond- und Sternenkonstellationen. Alles steht ständig zu allem in einem Verhältnis. Sympathikus. Parasympathikus. Wechselwirkungen. Polare Bewegungen. Energie. Gaddafi. Kernspaltung. Vom Kleinen ins Große und zurück. Wieder ins Detail, wo – wie es heißt – der Teufel hockt.

Ich sitze auf dem Sofa. Trinke Bier. Kleine Welt. Müde. Mutig. Machtlos. Menschlich.

Bild: iDogma -
Mit Hipstamatic fotografiert, mit Diptic montiert, mit PS Express geschärft und gerahmt.


ewig leben lieber nicht

17. März 2011

Mir Träumen erlauben und sie erfüllen. Wer weiß schon, wie lange ich noch lebe, dachte ich als ich vor zwei Stunden über den Friedhof spazierte. Seit siebeneinhalb Jahren gehe ich hier regelmäßig vorbei. Früher häufiger. Das Grab meines Sohnes – in mitten all der anderen Kindergräber – ist mir ein tröstlicher Ort der Ruhe. Nach einem sehr arbeitsreichen, sehr anstrengenden und auch irgendwie sehr befriedigenden Arbeitstag – der am Nachmittag eine Sitzung mit einer junger Flüchtlingsfrau beinhaltete, die im hintersten Dorf inmitten der sanfthügeligen Landschaft des tiefsten Emmentals wohnt –, gönnte ich mir eine kleine friedhöfliche Auszeit. Morgen bin ich krankgeschrieben. Mein Kreislauf rotiert und kommt kaum mehr zur Ruhe. Wenn ich jetzt nicht die Bremse ziehe, weiß ich auch nicht, wie ich die nächste Woche überleben soll. Das große Event, auf das hin wir seit Monaten arbeiten, wird endlich – am Mittwoch – Wirklichkeit. Und am Tag danach feiere ich meinen Büroabschied. Zwei Tage später laden wir den Umzugswagen. Vier Tage später ist Bern Vergangenheit. Wirklichkeit dies alles? Oder nur ein paar Ideen im Kopf? Wer weiß schon, was morgen ist?

Sich Träume erlauben. Ihre Erfüllung zulassen. Angesichts des Super-GAU in Japan vielleicht die einzige Alternative zu leben, sagte Irgendlink sinngemäß. Gegenwart ist die einzige Wirklichkeit.

Auf dem Friedhof ist ein weiteres Feld erneuert worden. Wie viele Grabkreuze habe ich in den letzten siebeneinhalb Jahren verschwinden sehen? Und wieder sind viele alte Kreuze und Grabsteine entfernt und viele über zwanzig Jahre alte Gräber ausgehoben worden. Nun ist von den Menschen, die einst unter Tränen dort begraben worden sind, nichts mehr da. Selbst die Knochen wurden, gemeinsam mit vielen anderen Knochen, dem endgültigen Zerfall überlassen und werden wieder zu Erde. Nichts ist mehr da. Oder endlich alles. In homöopathischen Dosen. Im Wasser, in der Erde, wie gesagt, und in der Luft. Und in hundert Jahren sind auch meine Knochen Erde, habe auch ich mich aufgelöst. Ganz ohne SuperGAU. Nein, das meine ich nicht zynisch. Ein Fakt. Ein Trost sogar. Irgendwie. Und eine befreiende Erkenntnis

Mit ihr ging es sich auf einmal ganz locker durch die Gräberreihen. Was rackere ich mich auch ab? Eines Tages ist ja eh nichts mehr da. Von mir nicht und von niemandem mehr. Kein Stress mehr und keine Sorgen. Kein Leid und kein Schmerz. Und auch kein Lachen mehr. Kein Garnix. Wozu also sich sorgen?

Da war doch dieser Tage jenes Gespräch über ein möglichst langes Leben?
Nein, ich will nicht möglichst lange leben, aber glücklich!, hatte ich gesagt. Genau. Alle meine Lebensträume drehen sich um ein glückliches und sorgloses Sein. Zufriedenheit. Nicht in Saus und Braus muss ich leben, sondern im Frieden mit mir selbst. Dazu umgeben von Menschen, die ich mag und wo Liebe, Freundschaft und Respekt im Zentrum stehen. Außerdem jederzeit bereit zu gehen. Mir meiner Vergänglichkeit bewusst.

Ein schöner Traum. Idealistin, die ich bin, ewige.

(verfasst am 16.3., abends)


umschichten

16. März 2011

Frühmorgens erwacht. Einschlafen geht nicht mehr. Nein, sich sorgen um die Sorgen des Tages ist müßig. Eigentlich. Doch das Kopfkino-Team kümmert sich nicht um Erkenntnisse von Vernunft und Verstand und vernebelt meinen müden Geist mit Aussagen, die im Tageslicht nicht bestehen können.

Meine größte Sorge ist zurzeit das Missverhältnis zwischen der mir verbleibenden schrumpfenden Zeit hier in Bern und der scheinbar über Nacht sich verdoppelnden Länge meiner Listen. Listige Listen (siehe Artikel vor ein paar Tagen). Schlingpflanzen. Obwohl … Die größte Sorge ist eigentlich, ob ich allem gerecht werden kann, was zu tun ist.

Und eigentlich wollte ich ja über gestern Abend schreiben. Über eine Spurensuche der etwas anderen Art. Mit meinem Lieblingsbruder habe ich auf dessen Dachboden die über zweihundertfünfzig teils mehr als hundert Jahre alten Bücher mit zumeist historischem Inhalt gesichtet. Seit zehn Jahren staubt dieses Erbe unseres Vaters vor sich hin. Zwei Archive haben gemeinsam etwa fünfzig Bücher erbeten, die es nun zu suchen und zu finden galt, damit ich sie ihnen zuschicken kann.

Wir haben geschichtet und gesichtet, uns an unsern Vater erinnert, haben uns Anekdoten erzählt und dabei für ein paar Stunden Alltagssorgen ausgeblendet.

Sorgen? Eben habe ich einem Arbeitskollegen, der heute ein letztes Mal mit mir essen wollte, per Mail abgesagt. Ich brauche eine Mittagspause allein, sonst schaff ich den Tag nicht. Die beiden langen Sitzungen … Ob ich es schaffe?

Hast duuu Sorgen!, schelte ich mich oft in den letzten Tagen. Wann immer ich an Japan denke.


Von Reichlin und den Sternen

14. März 2011

Der Assistent der Sterne. Von Linus Reichlin. Genau! Darüber hatte ich gestern bloggen wollen. Gestern Morgen, gleich nach dem Aufstehen. Doch später war die Idee weg. Einfach so. Verschwunden waren Aufhänger und Einstieg ins Thema. Und mit ihnen auch der Grund, warum ich über dieses Buch hatte schreiben wollen. Über dieses Buch, das mich – wie schon lange keins mehr – gepackt hatte. Ein Krimi, den ich gar in der Nähe meiner Lieblingskrimischreiberlinge Jo Nesbø und Fred Vargas anzusiedeln wage. Die Figuren sind wie bei diesen beiden eigenständig, eigenwillig und überraschen immer wieder mit der Tatsache, dass sie nicht den gängigen Klischees entsprechen. Die Geschichte bleibt unvorhersehbar bis zur letzten Seite und am Schluss weißt du nicht, wer nun eigentlich der Bösewicht ist. Oder sind es gar alle wie im richtigen Leben? Auch gibt es bei Reichlin keine dieser immer irgendwie unglaubwürdigen Wendungen zum Guten. Die Rettung von außen. Deus Ex Machina. Was geschieht, geschieht, weil es folgerichtig ist. Und doch unerwartet. Und trotz der Dramatik unspektakulär. Verrückte Kontraste bis ins Detail. Dazu eine schlichte, komplexe Sprache, die mich anspricht.

Okay, das alles war es aber nicht, was ich gestern hatte schreiben wollen. Da war nämlich noch ein Fetzen Traum drin gewesen und darüber hatte ich schreiben wollen. Ich hatte die Geschichte nach dem Ende des Buches weitergeträumt. Leider kommen verblasste Träume selten zurück. Ihre silbernen Haare lassen sich nicht festhalten. Träume fliehen, wenn du ihnen zu nahe kommst. Auch Ideen haben es an sich, ätherischem Öl gleich, zu verduften. Wenn du sie nicht aufschreibst zumindest. Manchmal selbst dann.

In Worte fassen lassen sich nicht alle gern, weder Ideen noch Menschen. Geschichten schon gar nicht. Nur wenn du Glück hast und sie es zulassen.

Jetzt gehe ich besser ins Bett. Mein Tag war lang und streng und ich bin müde. Ich weiß kaum mehr, wo oben und unten ist und ob Buchstaben nicht einfach eine andere Form von Wassermolekülen sind – die vierte Form, neben Wasser, Eis und Dampf sozusagen – und Geschichten demzufolge nichts anderes als Getränke. Sie können uns benommen machen oder nähren, aber sie können uns auch beruhigen oder auf- und anregen.

Ach, und noch was, Reichlin lesen ist eine gute Idee. Fast so gut wie Trinken und Träumen.


Von Übergängen und anderem Überzöix

3. März 2011

Übergänge wäre ein guter Titel. Oder genug. Nein, eher zu viel. Womit wir doch wieder bei den Übergängen wären, die sich irgendwo zwischen genug und zu viel im Niemandsland aufgebaut haben. Zollposten gleich.

Zwischen den rotweißen Balken stehe ich irgendwo. Zwischen drin. Weder innen noch außen. Noch nicht drüben und nicht mehr hier. Wie in einem der Lieder meiner Lieblingsband. (Nonid u schonümm, Seite 4) Kaum auszuhalten sind solche Phasen und mein Körper reagiert mit Erschöpfung. Seit vier bin ich wach. Das laut und schnell klopfende Herz ließ sind auch mit Baldrian nicht beruhigen. Um halb sechs, nach anderthalb Stunden mich hin- und herwälzender Unruhe, griff ich zum Krimi und konnte mich so zum Glück ein bisschen ablenken. Ablenken von all den Pflichten, die mich im Büro erwarteten. Zu viel. Zu viele Pflichten, die mir einerseits mein den Urlaub genießender Scheff aufgetragen hat, andererseits Pflichten, die zu meinem Alltagsjob gehören und dann auch solche, die mit meiner Funktion als Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit zusammenhängen. Nicht zuletzt mein Anspruch von Perfektionismus. Besonders in Bezug auf die Übergabe meiner Aufgabenbereiche an meine Nachfolgerin, die vor drei Tagen angefangen hat.

Die Zeit, sie rennt. Sagen derzeit alle. Überall. Schreibt Irgendlink. Oder sie versteckt sich vor mir und macht sich klein.

Alles baut sich auf, scheint es mir, alles spitzt sich zurzeit zu, der Spannung vor einem Gewitter gleich. Alles verdichtet sich in meinem Leben und fokussiert das Monatsende. Das Finale in Bern. Täglich schieben sich neue ToDos in meinen eh schon ziemlich vollen Kalender. Dazu wollen mich liebe Freundinnen und Freunde nochmals sehen und Abschied nehmen. Und ich natürlich auch von ihnen. Mir ist, als würde ich nach Australien auswandern, nicht bloß in die Pfalz. Was im Grunde nicht viel weiter ist als in die Süd- oder Ostschweiz. Nur eben über die Grenze. Und das ist doch ein ziemlich großer Schritt, zugegeben.

Obwohl. Grenzen überschreite ich zurzeit täglich, meine ganz persönlichen. Nicht immer zum guten, leider, denn meine eigenen Ressourcen kommen kaum nach sich zu erneuern. Ich gestehe, ich fühle mich überfordert.
Wie eine Decke, an der alle ziehen,
sagte ich heute zu Kollegin M., meiner Nachfolgerin. Mein Körper bremst mich aus. Fieber, seit heute Morgen, nicht hoch, aber doch genug, damit ich begreife, dass ich entschleunigen muss. Zum Glück habe ich drei Tage frei.

Heute eine Einladung zum Mittagessen bei Freundin C.. Soll ich absagen? Mit Fieber werde ich keine tolle Besucherin sein, überlege ich ihm Büro. Nein, halt, ich will C. sehen!, entscheide ich und radle los. Zu spät zwar, aber besser als nie.
C., du hast mir das Leben gerettet!, sage ich ein paar Stunden später, beim Abschied. Little-F., der kleine Strahlemann und seine Mama winken zum Abschied. Mein mentales Gleichgewicht ist trotz des Fiebers wieder im grünen Bereich.

Heißes Bad, Grog, schlafen … hilft alles zusammen ein bisschen. Doch noch dröhnt der Kopf. Noch bin ich zu aufgekratzt um loszulassen. J. kommt heute Nacht, will in den nächsten fünf Tagen das Bern-Meisterwerk vollenden. Und mich sehen auch, natürlich, und ich ihn. Trotz meiner Erschöpfung, die sogar Vorfreude frisst.

Grad wünsch ich mir nichts sehnlicher als das ganze Überzöix wie Pflichten im privaten und im Berufsleben einfach wie eine Schlangenhaut auszuziehen, abzulegen und mich fallen zu lassen.


Im Blogarium

2. März 2011

Ich innen drinnen.
Du außen draußen guckst durch Glas,
das trennt und das verbindet. Undurchschaubar.

Ein Kaihu nach Irgendlinks Definition. Die europäische Antwort auf Japans Haikus. 5-8-11 lautet die Formel.

Formel? Aber ja doch, denn alles will definiert werden, alles will geklärt sein. Alles will in unserer materiellen Welt geformt und gefasst, gezähmt und eingegrenzt sein. Ich gestehe, dass mich diese Machbarkeit zuweilen überfordert. In diesen Augenblicken fühle ich mich wie sich wohl meine Rennmäuse gefühlt haben müssen, die inzwischen längst alle – unumglast – im Mäusehimmel herumrennen.

Da war dieser Moment – ich hatte ein paar Freundinnen zu Besuch –, wo wir uns alle um meine Terrarien gestellt und den Mäusen beim Klettern und Knabbern, beim Turnen und Tanzen zugeschaut hatten, als Freundin B. sagte:
Vielleicht sind da, sie zeigte nach hinten, oben, außen und wir alle folgten gebannt ihrem Finger, der ebenso gut das Universum wie die Nachbarin im oberen Stock meinen konnte, vielleicht sind da welche, die größer sind als wir. Und die uns nun zuschauen, wie wir den Mäusen zuschauen, und die über unsere Klettereien und Liebes- und Lebenstänze fachsimpeln. Oder die sich, wie wir bei den Mäusen, über tier- will heißen, menschengerechte Haltung, den Kopf zerbrechen.

Vielleicht.

Menschengerechte Haltung: Ist das Batteriehaltung in Hochhäusern, ist das Mobilität in engen Bussen auf verstopften Straßen? Ist das Arbeiten eingeklemmt zwischen Ordnern, Shredder, ToDo-Listen und Rollschränken?

Hallo, ist da jemand?

Kater Findus flirtet mit Micro Rennmaus. Bild aus meinem Archiv.


Bern aufgeräumt. Nähen.

26. Februar 2011

Das Stück rückt näher, während wir westwärts radeln, das kleine Stück Terra incognita. Wir befinden uns auf den Spuren der Straßen, die J. auf seinen vielen Kunst- und Straßenbilder-Sammeltouren in Bern links liegengelassen hat. Dass da klitzekleine Sträßchen dabei sind, leuchtet ein und dass es mich daher sehr interessiert, ihn zu begleiten, ebenfalls. Wie spannend, ganz neue Winkel in meiner Stadt zu entdecken, die ich doch, wenn ich alles zusammenrechne, seit fast zehn Jahre bewohne. Auch heute, wo wir eine ähnliche Straßennamensammelaktion im Weissenbühl- und im Fischermätteli-Quartier unternehmen, wird mir mein Halbwissen nur zu gut bewusst. Was sage ich da: Halbwissen? Bestenfalls Viertel- , Achtel- oder Mini-Wissen! Fällt mir unterwegs ein, dass Luisa Francia neulich gebloggt hat, dass ihr Leute zuweilen Halbwissen unterschieben. Sie bedankt sich dann herzlich, ist doch Halbwissen schon ganz schön viel. Recht hat sie.

Hätte ich Berner Halbwissen, könnte ich ganz schön stolz auf mich sein. Habe ich aber nicht. Ich kenne im Grunde genommen nur viele einzelne Flecken auf der Decke. Ich kenne Plätze, aber kaum Straßen. Doch genau diese, vor allem die Querstraßen und die kleinen Sträßchen sind die Fäden im Gewebe und Gespinst des Stadtplans.

Gestern und heute habe ich Verbindungen geschaffen und ein paar einzelne Stoffstücke mit anderen vernäht. Ich habe neues in der alten Stadt entdeckt und begriffen, dass Bern mich immer wieder neu überraschen kann.

Wann kenne ich eine Stadt? Wann kenne ich einen Menschen? Nein, darauf kenne ich die Antwort nicht und eigentlich ist es mir ganz recht, dass Bern noch immer Terra incognita für mich bereithält.

Bilder folgen (vielleicht). :-)


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