Promis gesucht

12. November 2009

N.
rück grat!
Wer sonst?
Oben. Unten.
Eindeutig klar!
G.s Hingabe galt der Diagonale
schon immer.
Schiefe Ebene,
weich.
Wem D. gefällt,
gefällt auch mir.
Liegt braun
und erdig da.
Gehört allen.
A., wen suchst du?
Sind alle schon weg!
Das heißt:
Ganz hinten steht noch einer,
durch den heute keiner mehr will.
Doch die alten Römerinnen mochten A..
Wozu auch immer.
Oder wodurch?
Weil er die Antworten kannte womöglich.

Und du?

Kennst du die vier oder gar fünf namentlich hier abgekürzten Gesellen? Hast du sie womöglich heute schon gesehen?
Antworten bitte unter Kommentare.


werden … Wochenmitter zum Thema Übergänge

11. November 2009

Gleich viel
schwarz
und
gleich viel
weiß.

Gleich viel
Tag
und
gleich viel
Nacht.

Mische grau.
Mische Dämmerung.
Wie viel
ist
gleich viel?

© by Sofasophia (dm)

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Veränderung

„Du hast dich verändert – das steht dir gut.“
„Ja“, lächelt sie, „Liebe macht Mut.“

© by Donna

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Hier hell
dunkel dort
dunkel hier
dort hell
ohne Übergang
ohne Dämmerung
oder mit
weil du zwinkerst
wegblinzelst
was nicht ist
blinzelnd ausgrenzst
den Ton der Trommel
überhörst du
dafür die Vögel
im Strauch drüben
tschilpen
und die Feder
abgeschüttelt beim Spiel
fallen
hörst du
zur Erde segeln
in den Himmel hinab
sinken
gewundert
nicht gehabt
gewesen stattdessen
zwischen hell und dunkel
irgendwo
nirgends
gelandet

© by Sofasophia (dm)


ausgraben

10. November 2009

Empathie, so hatte ich neulich behauptet, Empathie und Respekt, angereichert mit Menschenverstand, seien die Basis glücklicher Gesellschaften. Ob das genügt? Reicht dieses simple Rezept, um die Pflanze namens Mensch gedeihen zu lassen? Wirklich gedeihen, üppig und blühend? Nicht einfach bloß dastehen soll sie, wie eine Stoffpflanze aus dem Großverteiler. Ihr wisst schon: So eine, die kein Wasser braucht und trotzdem schön tut. So eine, die einfach da ist, ohne zu wissen weshalb. Nein, das reicht wohl nicht.

Was weiter unten steckt, muss raus. Jener Dünger, den wir alle brauchen. Hingabe ans Leben. Diese Worte aus Glas. Verletzlich. Zerbrechlich. Und noch tiefer unten: das andere Wort. Nein, mehr als ein Wort. Mehr als ein paar Buchstaben. Alles. Das verbotene Wort, das alle kennen und niemand versteht. Four-letter-word. Will heißen fünf, wenn wir deutsch fühlen. Noch zerbrechlicher, drum gut verpackt. Unter der Wurzel. Im Erdreich.

Ausgraben, mit bloßen Händen, will ich es. Mich hingeben. Dem Leben.

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Übe die Kunst des Vergessens!, sagte er. Übe diese Kunst solange, bist du vergessen hast, dass sie eine Kunst ist. Bist du vergessen hast, dass Wissen angeblich nützlich ist. Bis du vergessen hast, dass du bist.

Wie kann ich denn wissen, wann ich mich genug vergessen habe?, fragte sie.

Keine Ahnung!, sagte er, das habe ich längst vergessen.

Worauf sie vergaß zu fragen, warum. Und ohne zu wissen, weshalb.


erlaubt

9. November 2009

Ohne Berge keine Täler, ja … aber sterben?, fragt Rébecca im letzten Kommentar. Das eine nicht ohne das andere?

Berge stehen bei mir für jenes außerordentliche Glück, für jenes ganz spezielle Mit-mir-selbst-und-der-Mitwelt-im-Einklang-Erlebnis, für diesen ganz besonderen Zustand von Flow, von Ganzsein. Außerordentlich deshalb, weil ich es wohl nicht ertrüge, immer in diesem Glücksfluss zu baden. Ständig berauscht von Glück zu sein können wohl nur die Gestorbenen. Vielleicht nicht mal die.

Leben ist für mich immer ein bisschen sterben, liebe Rébecca. Auch unsere Zellen erneuern sich ja ständig. Aus Totem entsteht neues Leben. Kompost und so. Und, ja, im Tal stirbt es sich vermutlich leichter. Nur deshalb schon, weil sie der sterbende Mensch sich angesichts seines Todes die Anstrengung des Hochsteigens erspart. Metapher? Logistik? Ironie? Egal.

Täler jedenfalls stehen bei mir für Alltag. Im Tal wohnt das ordentliche Glück. Jenes, das mich lächeln lässt, wenn ich vor mich hin summend, mit einem Lieblingsstück in den Ohren, auf dem Rad zur Arbeit fahre und einen anderen lächelnden Menschen kreuze. Jenes Glück, das mich erfüllt, wenn ich mit einer Arbeitskollegin über ein geniales Buch diskutiere. Oder wir alle völlig sinn- und arglos in der Arbeitspause rumalbern. Oder wenn mich ein schöner Brief im Briefkasten erwartet. Alltagsglück eben. Alltag …

Alltagspflicht? … tun … zielen … ?
Warum müssen wir?, zitiert mich Donna. Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Der Polarität wegen – fürs Gleichgewicht? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Oder vielleicht auch bloß wegen unserer Kompromissfähigkeit oder unserm latenten Harmoniebedürfnis?

Wie froh ich bin, dass ich als Gegengewicht zur harten Realität, eine paar weiche Realitäten habe. Meine kreative, zum Beispiel, die befriedigend und lustvoll ist. Den Wörtern beim Schlange stehen zuzuschauen – wie auch bei Bredenberg –, macht eben einfach Spaß. Und inspiriert. Regt an. Zum Denken. Zum Spinnen. Zum Fühlen. Zum Sofasophieren auch.

Darüber zum Beispiel: Wäre nichts verboten, was dann? Keine Verbotstafeln zum einen, was Irgendlink bestimmt bedauern würde (oder vielleicht auch zu neuen kreativ-subversiven Höchstleistungen anspornen?). Zum anderen aber wäre mit einem Verbot von Verboten ja nicht automatisch alles erlaubt. Eine Gesellschaft ohne Verbote – nicht nur ohne die diesbezüglichen Tafeln, wohlverstanden! – muss wohl  eine sehr glückliche Gesellschaft sein, eine, die begriffen hat, dass sich lebenswertes Zusammenleben nur auf der Basis von Empathie und Rücksicht wirklich umsetzen lässt. Und von gesundem Menschenverstand. Was auch immer das ist …


Nächstes Wochenmitter-Thema

9. November 2009

Als Thema für unseren nächsten literarischen Wochenmitter wünsche ich mir von Euch Texte, die sich damit beschäftigen …

Übergänge …

Eure Texte dürfen alles sein: Assoziativ, verspielt, lyrisch oder prosaisch, tiefschürfend, banal, sinnlich, traurig, fröhlich. Absichtslos. Auch kleine Geschichten sind erwünscht!

Mailt mir doch Eure Texte bis Mittwoch um 17 Uhr an
sofasophia ((at)) lebenswertvoll.ch.

Ich werde am Mittwochabend wieder einen Blogartikel daraus weben.
Herzlichen Dank!


obsi & nidsi – rauf & runter

8. November 2009

Darf ein Leben (obwohl unvollkommen oder gerade deshalb) mit Unnötigem angefüllt werden, das unsere biologische Festplatte für wichtiges verstopft? Wer sagt ja oder nein? Und wer sagt, was unnötig, was wichtig ist? Wenn wir alles Überflüssige deleten würden, was bliebe dann noch?
Und ist, was bleibt, nichts mehr oder alles?

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Sterben tut man im Tal, sagte J.. Auch die, die auf dem Berg leben.
Wir können nicht immer auf dem Berg, wir können nicht immer oben sein,
sagte P. Wir müssen hin und wieder runter kommen.
Warum?
Warum müssen?
Warum müssen wir?,

fragte ich.


Neuanfang II

8. November 2009

1  > hier!

2

Dass sein Vater kein Kontrollfreak war, machte das Ganze sehr einfach. Meinte er. Bis er eines Tages aus der Schule kam und seinen Vater am Küchentisch über den monatlichen Zahlungen brütend vorfand.

Sag mal, sagte dieser, sag mal, hast du von meinem Konto Geld abgehoben? Mir fehlen fünfhundert Franken. Zuerst hatte Janus gelogen. Doch lügen war schwieriger als klauen. Allmählich kam sein Vater auch hinter die Geschichte mit dem gestohlenen Fahrrad, das Janus weiterverkauft hatte. Ein paar Puzzleteilchen waren ihm eben früher schon aufgefallen. Sie waren einfach nicht aufgegangen. Blöd war sein Vater ja nicht!

Scheiße, wieso mache ich das überhaupt?, hatte Janus sich immer wieder gefragt. Eine Antwort darauf fand er keine, war dennoch irgendwie froh, als das Ganze ans Licht kam. Und das, obwohl einige Folgen alles andere als angenehm gewesen waren. Immerhin war seine Mutter, die mehr als fünfhundert Kilometer entfernt lebte, sofort angereist.

Viele Gespräche zu dritt. Beschlüsse, die gefasst wurden. Ein Vertrag, dass er das geklaute Geld abarbeiten müsse, wurde aufgesetzt und von allen unterschrieben. Es gehe darum, die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen, sagten die Eltern. Na ja, irgendwie hatte er es genossen, zu sehen, wie die beiden sich um ihn sorgten. Fast wie früher. Immer wieder hatten sie gefragt, was er denn vermisst habe. Was er jetzt von ihnen brauche. Was er von ihnen gebraucht hätte. Seine Ma hatte gesagt, wie leid ihr das alles tue. Und sein Vater hatte sogar geweint.

Waren am ganzen Chaos denn seine Eltern Schuld? Klar, sie waren manchmal ganz schön schwierig. Vielleicht das Alter. Außerdem war sein Vater oft einfach nur peinlich. Gezofft hatten sie in der letzten Zeit oft. Seit er in der Oberstufe war, hatten die Zankereien zugenommen. Seit sein Vater angefangen hatte, mehr darauf zu achten, ob Janus seine Haushaltpflichten auch wirklich erledigte. Seit sein Vater strenger war. Na ja. Noch immer kein Kontrollfreak zwar, aber eben doch strenger als früher.

Früher war es einfacher gewesen. Zum Beispiel damals, als Pa mit Jana zusammen gewesen war. Eine richtige Familie waren sie gewesen. Jedenfalls übers Wochenende. Sara hatte damals noch zuhause gewohnt und mit Jana hatten sie immer über alles reden können. Über alles. Sie hatte Sara und ihn ernst genommen. Na ja, reden konnten sie natürlich auch jetzt noch zusammen. Theoretisch zumindest.

Sie hatten oft etwas zusammen unternommen, zu dritt oder zu viert. Hatten viel gespielt. Waren Snowboarden und Ski fahren gegangen. Im Sommer baden. Im See oder in der Aare. Hatten viel zusammen gelacht. Und wenn Jana etwas von ihm gefordert hatte, war es immer sehr einfach gewesen, es zu tun. Sie hatte ihm immer alles genau erklärt und alles war ganz logisch gewesen. Zwar hatte sie ihn oft herausgefordert und auch mal bestraft, doch hatte sie ihn eben einfach verstanden. Anders als Pa. Schließlich hatte sie Janus vor drei Jahren gefragt, ob sie seine neue Patentante sein dürfe. Statt seiner abgetauchten. Klar, hatte er gesagt. Ja, gerne. Und sich mächtig gefreut.

Seine Welt war eine Weile stehen geblieben, als Jana sich von Pa getrennt hatte. Wem hätte er sagen können, wie komisch sich das Nachhause-Kommen nun anfühlte? Zwar sah er Jana hin und wieder und sie unternahmen zusammen Dinge, die beiden Spaß machten, doch es war einfach nicht mehr das gleiche.

Mit Janas Nachfolgerin Daniela hatte Janus sich nie wirklich verstanden. Die war sehr streng gewesen, vor allem hatte sie wenig Humor – jedenfalls da, wo es ihn, Janus, betraf. Außerdem hatte Janus damals bereits die Oberstufe besucht und sich in der Freizeit meistens mit seinen Kumpels getroffen, so konnten sie sich gut aus dem Weg gehen. Ihm konnte es sowieso egal sein, mit wem sein Vater rummachte. Daniela war denn auch bereits wieder abgetaucht.

Zum Glück war die neue Klasse so cool. Einige seiner alten Mittelstufe-Klassenkameradinnen und -kameraden waren auch hier, die meisten kannte er bloß vom Sehen. Nein, auch sie waren keine Engel, doch es war nicht zu übersehen, dass die Lehrerin sie alle mochte. Und umgekehrt.

So machten Lernen und Schule Spaß. Und das Leben auch. Wie hatte er das bloß vergessen können!


Intermezzo

8. November 2009

Wie gut ich es habe! Wie gut es mir geht!

Alle Buchstaben sind da. In meinem Bett. Jene sichtbaren, die auf meinem Schreibblock neben mir geschlafen haben. Dazu all die unsichtbaren, die Schlange stehen. Ein paar davon drängeln und schubsen und wollen geschrieben werden. Sie stellen sich bereits genau in der richtigen Reihenfolge hin, so dass ich sie nur noch betrachten und aufschreiben kann.

Wie gut ich es doch habe!


Neuanfang I

7. November 2009

1

Mann, was für ein Unterschied! Ich wusste ja gar nicht, dass Schule so Spaß machen kann!, dachte Janus. Er schrieb sich die Aufgabe von der Tafel in sein Notizheft ab und setzte sich bequemer hin. Die Kleingruppe, mit der er zusammen arbeiten würde, hatte sich in der hinteren Ecke links versammelt. Er kannte noch nicht alle, denn er war ja erst seit zwei Wochen in dieser Klasse. Seine alte war aufgelöst worden. Seit mehr als einem Jahr, genauer seit sein Klassenlehrer krankgeschrieben und beurlaubt worden war, hatten sich die Zustände zusehends verschlechtert.

Mit jeder neuen Stellvertretung war die Stimmung in der Klasse ein paar Grad mehr gesunken. Am Schluss war es kaum mehr möglich gewesen, dem Unterricht zu folgen. Nein, auch er war kein Engel gewesen, im Gegenteil. Mit seiner Verweigerung und mit seiner Schlampigkeit hatte er es den Lehrkräften auch nicht eben leicht gemacht. Er war verschiedentlich ermahnt worden, zumal auch seine Leistungen zu wünschen übrig ließen. Wann hatte es eigentlich angefangen, dass ihm alles aus dem Ruder lief? Im Frühling irgendwann? Damit, dass sein Kumpel ihn zum Mitrauchen hinter dem Schulhaus überredet hatte? Er, der Rauchen eigentlich Scheiße fand, hatte sich nicht getraut, nein zu sagen. Doch er war immerhin schon fast vierzehn. Und alles andere als ein Weichei. Wider Erwarten hatte ihm die Zigarette sogar geschmeckt. Das Zeug, das sein Vater rauchte, roch nur halb so gut. Riechen und selber rauchen war offenbar ein großer Unterschied. Außerdem war es cool, einen Glimmstängel in der Hand zu halten. Irgendwie.

Ein paar Wochen später hatte ein anderer Kumpel, der auch ab und zu mit ihm und Tino hinter dem Schulhaus geraucht hatte, eine Hanfblüte mitgebracht. Sie beschlossen, sich nach der Schule auf der Halfpipe-Anlage zu treffen. Auch daraus war bald einmal eine Gewohnheit geworden. Freitagnachmittags auf der Halfpipe. Natürlich hatte Severin mit der Zeit Geld gewollt. Woher er das Gras hatte, wussten sie nicht. Janus wohnte seit zwei Jahren in einer Männer-WG. Sein alleine erziehenden Vater hatte das ehemalige Zimmer von Janus‘ Schwester Sara, die vor zwei Jahren zuhause ausgezogen war, an Manuel untervermietet. Und Manuel kiffte. Es müsste doch nicht so schwierig sein, hin und wieder ein bisschen von dessen Zeug abzuzweigen? Immerhin war Manuel ja tagsüber auf Arbeit.

Wie das mit dem Klauen gekommen war, wusste Janus nicht mehr genau. Zuerst da ein bisschen Hasch, dann dort ein wenig Geld. Schließlich lag die ec-Karte seines Vaters rum und da er wusste, wie der Code lautete, zog er eines Tages ein paar Hunderter.

(Fortsetzung folgt > hier!)


doch novembrig

6. November 2009

Nach dem gestrigen Schreibtreffen durch die Straßen von Bern nach Hause radelnd, beschloss ich, endlich mit meinem diesjährigen Novemberschreiben anzufangen. Wo ich doch die Einschreibegebühr eingezahlt habe! Doch ich würde alle Ideale, alle Plots, alle Ziele über Bord werfen. Einfach schreiben. Was grad kommt. Kein Anspruch auf eine Geschichte.

Der Titel? Keine Ahnung. Echt wahr, das ist der Titel. Vorläufig – wie immer.

Ein privates Weiterbloggen also, oder eine Erweiterung des privat geführten Tagebuches. Mittels der Tastatur denken irgendwie. Wörter kotzen. Immer drauflos.

Im Blog werde ich Ausschnitte daraus einfügen. Eine gute praktische und vernünftige Lösung.

Anfänglich habe ich ja mal rumerzählt, dass ich doch einfach meine im  Blog geschriebenen Wörter in die Zählmaschine eingeben könnte. Was so natürlich nicht der Idee des Novemberschreibens entspricht. Und was so auch nicht den erwünschten Effekt hätte, dass ich mehr schreiben würde, als ich eh schon schreibe. Weshalb ich diese Idee verworfen habe. Die neue Idee des Keine Ahnung-Buches ist da doch viel besser. Ideale loslassen.

Und hier nun ein Ausschnitt aus meinem heutigen Geschreibsel.

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Gern haben ist der Anfang allen Schmerzes, aller Freude …

Würde ich nicht gerne haben – Menschen, Dinge – würde sie zu verlieren nicht weh tun. Würde erinnern, würde vermissen, würde erkennen nicht weh tun. Wenn. Wenn ich die Fähigkeit, gern zu haben, nicht hätte, wäre das Leben schmerzfrei. Doch kein Leben mehr.

Ist es die Sehnsucht nach dem Ideal, nach dem ganz persönlichen Ideal, das uns am Leben erhält? Das uns weiterhoffe, das uns weiterträumen, das uns weitergehen lässt? Ist, falls wir eines Tages das Ideal gefunden haben – in uns, außerhalb unserer selbst – alles gut? Oder das Leben sinnlos geworden, da es nichts mehr zu suchen gibt? Wie erstrebenswert, wie gesund ist es überhaupt, unser Ideal zu erforschen, ihm nachzurennen? Wie viel einfacher wäre es, unsere Ideale loszulassen! Entspannender wäre es, uns mit dem Unidealen zufrieden zu geben. Zufriedenheit? Da wollen wir, da will ich doch hin! Ich sage ja eh immer, dass das Leben nicht ideal ist. So what?!

Dies zu akzeptieren kann doch nicht so schwierig sein. Hieße es aber, zu resignieren? Aufzugeben? Oder eben erst recht zu leben? Hieße es womöglich, fortan ziellos zu sein, so ganz ohne Ideale? Sich zu verirren.

Kann ich denn nicht einfach Ideale als Ziele haben und zugleich den unidealen Status des Lebens akzeptieren? Na, das mache ich wohl eh schon die ganze Zeit. Und das ist es wohl auch, das mich eben weiterleben wollen lässt?

Ist Leben gehen? Ist es warten? Ist es suchen? Oder einfach nur sein?

Alles. Nichts.

Ob mir das je genügt? Je genügen wird? Ich will mehr. Sogar das mehr-wollen tut weh. Leben TUT weh. Heute tut Leben weh. Schön weh. Und schmerzlich weh.